Moerschen aus Manhattan
Zu viel Petroleum

Niedrige Zinsen feuern die Wirtschaft an, hohe Zinsen dämpfen die Flammen. Manchmal droht die konjunkturelle Glut zu verlöschen – eine deflationäre Abwärtsspirale droht. Vor diesem Risiko warnte der heutige US-Notenbankchef Ben Bernanke 2003 eindringlich.

Wer schon mal im Garten am Grill stand, kennt das Problem: Wie viel Grillanzünder schütte ich auf die Kohle? Bei zu wenig entsteht keine Glut. Bei zu viel sorgen lichterlohe Flammen für verkokelte Steaks. Dann muss man Wasser statt Petroleum auf die Glut kippen.

Ähnlich funktioniert die US-Geldpolitik. Niedrige Zinsen feuern die Wirtschaft an, hohe Zinsen dämpfen die Flammen. Manchmal droht die konjunkturelle Glut zu verlöschen – eine deflationäre Abwärtsspirale droht. Vor diesem Risiko warnte der heutige US-Notenbankchef Ben Bernanke 2003 eindringlich. Bei zu viel Stimulierung kann jedoch ein Flächenbrand entstehen, der den Aufschwung vernichtet. Inflation droht.

Wie bitte, Inflation? Das ist doch ein altes, längst verschwundenes Gespenst, das nur manche Zentralbanker – etwa bei der Deutschen Bundesbank – immer wieder beschwören, um sich selbst als Geisterjäger aufspielen zu können. So denken viele an der Wall Street. Das zeigen die kräftig steigenden Aktienkurse, die von Inflationssorgen keine Spur verraten. Auch die Anleihemärkte, die am sensibelsten auf Anzeichen einer Geldentwertung reagieren, halten sich bislang recht stabil: Ben Bernanke und die Fed werden’s schon richten. Schließlich hat die US-Notenbank den Leitzins ja schon sechzehnmal angehoben, auf zuletzt fünf Prozent.

Das reicht aber womöglich nicht. Denn seit 2000 betrieb die Fed jahrelang eine äußerst lockere Geldpolitik, um nach dem Platzen der Internet-Spekulationsblase und einer kurzen Rezession das Deflationsgespenst zu vertreiben. Einige Börsenauguren wie Joe McAlinden, Chefstratege der Fondssparte von Morgan Stanley, fürchten, dass die Fed als Grillmeisterin zu viel Petroleum verschüttet hat.

Jetzt lodern die Flammen. Der hohe Ölpreis, Gold auf Rekordhoch und Rohstoffe sowie die jüngste Dollarschwäche sprechen für eine Entwertung der US-Devise.

Gerade Bernanke hat in seiner früheren Karriere als Professor an der Eliteuni Princeton die stumpfe Wirkung der Geldpolitik kritisiert: Als Notenbanker die Konjunktur zu steuern, gleiche einem Gehirnchirurgen, der mit dem Vorschlaghammer arbeitet, sagte Bernanke einmal. Oder einem Hobby-Grillmeister, der abwechselnd Petroleum und Wasser auf seine Kohle kippt.

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