Moerschen aus Mannhattan
Schlank oder muskulös

In den vergangenen fünfzehn bis zwanzig Jahren haben US-Bankmanager auf der Kostenseite enorm abgespeckt – ein wichtiger Grund für die Ertragsstärke der Finanzkonzerne. In jüngster Zeit entdecken viele Bankexperten, wie wichtig Muskeln sind, sprich: Investitionen in zukünftiges Wachstum.

Die meisten Leute treiben Sport, um abzunehmen. Ich dagegen fühle mich eher zu schmächtig und versuche immer mal wieder, per Krafttraining mehr Muskeln aufzubauen. Auch im Kreditgewerbe geht es nicht nur darum, möglichst viel Fett abzuschwitzen, sprich: Kosten zu senken.

Für alle US-Geschäftsbanken hat der Fokus auf Investitionen dazu geführt, dass die Aufwandsquote der Branche seit dem Jahr 2000 nicht mehr weiter gefallen und seit 2002 sogar leicht gestiegen ist. Die Aufwandsquote besagt, wie viele Cent eine Bank ausgibt, um einen Dollar zu verdienen. Von 1987 bis 2000 fiel die durchschnittliche Quote im US-Bankgewerbe auf ein Rekordtief von 57 Prozent. Seitdem stieg die Messzahl leicht auf 58 Prozent.

Hinter der Durchschnittsbetrachtung verstecken sich sehr unterschiedliche Trends. Die zweitgrößte US-Bank, Bank of America, betrachtet Kostendisziplin weiter als strategischen Hebel, um den Gewinn zu steigern. Vorstandschef Ken Lewis drückte die Aufwandsquote unter 50 Prozent. Der überragende Quartalsgewinn von 5,5 Milliarden Dollar gibt ihm Recht.

Bei der Citigroup, der weltgrößten Bank nach Börsenwert, hat Chef Charles Prince dagegen bewusst die Investitionen erhöht. Prince nimmt in Kauf, dass die Aufwandsquote der Citigroup ansteigt. Das hält er für nötig, um zukünftige Ertragschancen zu nutzen, zum Beispiel durch den Bau neuer Filialen und moderne Informationstechnologie. Obwohl manche Analysten und Investoren ungeduldig werden, beginnen einige Investitionen sich bereits auszuzahlen.

Eine mittelgroße US-Bank namens Commerce Bancorp beweist, dass manche Ausgaben sich tatsächlich lohnen: Bankchef Vernon Hill gestaltet seine Filialen als Erlebnisparadiese in Top-Citylagen, mit kostenloser Münzzählmaschine und offenem Kundenschalter statt der andernorts üblichen Plexiglas-Barriere. Das Ergebnis: Commerce hat zwar eine Aufwandsquote von 70 Prozent, gewinnt jedoch seit Jahren schneller Kunden und Spareinlagen als fast jede andere US-Bank.

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