Mohammed Mullah Omar
Flüchtiger Taliban-Führer gibt Interview

Der Krieg in Afghanistan sei in eine neue Phase getreten, sagte Mohammed Mullah Omar. Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden lebe noch.

WiWo/ap KAIRO. In einem Interview mit der in London ansässigen Zeitung "Asharq al-Awsat" sagte Omar, der Krieg in Afghanistan sei in eine neue Phase getreten und noch nicht beendet. Der mutmaßliche Terroristenführer Osama bin Laden ist seinen Angaben zufolge noch am Leben. Weiter berichtete das Blatt, ein Reporter habe in den Bergen Afghanistans mit Omar gesprochen. Der Zeitpunkt des Interviews wurde nicht genannt.

"Wir betrachten den Kampf in Afghanistan nicht als beendet", zitierte die Zeitung Omar. "Der Kampf hat begonnen, und die Feuer beginnen. Diese Feuer werden das Weiße Haus erreichen, weil es das Zentrum der Ungerechtigkeit und der Tyrannei ist." Weil die Zahl der Todesopfer in den Gefechten im vergangenen Jahr stark angestiegen sei, "haben wir beschlossen, uns aus dem Land zurückzuziehen und einen Guerillakrieg aus den Bergen zu beginnen, um das Leben der armen Menschen zu schützen". Den USA stehe eine vernichtende Niederlage zuvor, genau wie zuvor den sowjetischen Truppen und davor den Briten.

"Der Scheich ist noch am Leben"

Auf die Frage nach Bin Laden antwortete Omar: "Der Scheich ist Gott sei Dank noch am Leben, und dies schadet (US-Präsident George W.) Bush, der seinem Volk versprochen hat, Osama zu töten." Über die Attentäter des 11. Septembers sagte der Taliban-Führer, die Männer hätten ein klares Ziel verfolgt, das ihnen wichtiger gewesen sei als ihr eigenes Leben. Jetzt sei von Bedeutung, dass besonders Amerika die Gründe für die Taten der Flugzeugentführer erkenne und bekämpfe, damit sich diese Vorfälle nicht wiederholten.

In dem Bericht der "Asharq al-Awsat" äußerte sich Omar nicht zur afghanischen Übergangsregierung von Ministerpräsident Hamid Karsai. Er erklärte jedoch, der Islam werde weiterhin in der afghanischen Politik eine Rolle spielen. Wer dies nicht respektiere, "wird sich in Afghanistan nicht niederlassen" und werde stattdessen im Chaos enden. Das Interview endete mit einer Botschaft an die Palästinenser, die der Taliban-Führer aufrief, geduldig zu sein und ihren "gesegneten Kampf" fortzusetzen.

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