Moli kein echter Prüfstein
Klitschko mit Blitzsieg zurück

Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko hat sich mit einem Blitz-Sieg im Boxring zurückgemeldet, doch ein echter Gradmesser für das neu gewonnene Selbstvertrauen des Ukrainers konnte der schnelle K.o. kaum sein.

HB/dpa MÜNCHEN. Fast ein halbes Jahr nach dem Verlust des WM-Titels bezwang der in Hamburg lebende Schwergewichtler in der Nacht zum Sonntag vor 12 514 Zuschauern in München den Argentinier Fabio Moli in einem Duell um den WBA-International-Titel nach 1:49 Minuten in der ersten Runde. "Das war einer der wichtigsten Siege meiner Karriere. Ich bin noch kein echter Champion, aber ich bin auf dem Weg dahin", konstatierte der 27-jährige Ukrainer sichtlich erleichtert.

Klitschkos 41. Sieg in seinem 43. Profi-Kampf hinterließ allerdings ein zwiespältiges Echo. "Mein Eindruck von Wladimir ist hervorragend. Er war voll konzentriert. Wir sind zurück im Geschäft", jubelte Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl. Er hatte nach der sensationellen K.o.-Niederlage des "kleinen" Klitschko gegen Corrie Sanders (Südafrika) im März in Hannover harte Monate zu überstehen, ehe ihn der couragierte Auftritt von Wladimirs Bruder Vitali im Juni gegen Weltmeister Lennox Lewis (Großbritannien) und nunmehr Wladimirs Comeback in eine deutlich bessere Verhandlungslage im Poker um weitere Großkampftage auch in den USA beförderten.

Die zunächst euphorischen Zuschauer quittierten das schnelle Ende allerdings mit einem gellenden Pfeifkonzert. Und auch die Beobachter am Ring zweifelten, ob der so leicht errungene Sieg Aufschlüsse über Klitschkos wahres Leistungsvermögen zulässt. Moli war dafür kein echter Prüfstein, denn der Argentinier ging schon nach dem ersten vermeintlich harten Kopftreffer zu Boden. Der 34-Jährige überlegte dann augenscheinlich, ob er weitermachen sollte, entschied sich für die schmerzfreie Variante und ließ sich auszählen. Eine plausible Erklärung dafür hatte Moli nicht parat. Klitschko umso mehr: "Ich hatte wirklich das Gefühl, das war ein Volltreffer."

So oder so: Mit dem 38. K.o. seiner Laufbahn besitzt der Sunny-Boy wieder gute Karten, noch in diesem Jahr den WBO-WM-Gürtel zurückzuerobern. Kohl hat die Titelverteidigung von Sanders gegen Lamon Brewster (USA) ersteigert und will diese im Rahmen des WM- Kampfes von Dariusz Michalczewski am 18. Oktober in Hamburg austragen. Sollte Sanders gewinnen, wäre Wladimir Klitschko der Gegner. Siegt Brewster, müsste auch er gegen den Ukrainer antreten. "Dann könnte es allerdings noch etwas länger dauern", räumte der Universum-Promoter ein.

Ein nunmehr auch öffentlich sichtbares Ende hat indes der jahrzehntelange "Grabenkrieg" zwischen den zwei deutschen Box-Lagern gefunden. Schwergewichtler Stefan Köber (Frankfurt/Oder) besiegte im ersten Amateur-Kampf bei einer Profi-Veranstaltung in Deutschland Dieter Roth (Frankenthal) einstimmig nach Punkten. "Darauf habe ich lange warten müssen. Das war längst überfällig. Ich bin sicher, dass die Zusammenarbeit in Zukunft für beide Seiten Früchte tragen wird", meinte Chef-Bundestrainer Helmut Ranze (Worms).

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