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Monaco und Porto stellen Hierarchie auf den Kopf

Düsseldorf (dpa) - Bei der Krönungsfeier fehlen die Könige. Wenn sich im Champions-League-Finale der FC Porto und der AS Monaco gegenüberstehen, bleibt dem Fußball-Adel aus Madrid, Manchester und Mailand nur die Zuschauerrolle.

Düsseldorf (dpa) - Bei der Krönungsfeier fehlen die Könige. Wenn sich im Champions-League-Finale der FC Porto und der AS Monaco gegenüberstehen, bleibt dem Fußball-Adel aus Madrid, Manchester und Mailand nur die Zuschauerrolle.

Die Teams aus Portugal und Frankreich traten im Zeitalter der Superclubs den Beweis an, dass ein Team auch ohne Zidanes, Beckhams oder Ronaldos erfolgreich sein kann. Nicht zuletzt deshalb ist die Vorfreude von Portos Coach Jose Mourinho auf den Festakt in der Arena «AufSchalke» riesengroß: «Jeder träumt davon, dabei zu sein. Bisher waren wir es jedoch gewohnt, das Endspiel im Fernsehen zu gucken.»

Mit taktischer Disziplin und beachtlicher Nervenstärke setzten beide Teams die Logik des modernen Fußballs außer Kraft. Noch im vergangenen Herbst waren sie bei den englischen Buchmachern als 66:1- bzw. 50:1-Außenseiter gehandelt worden. «Monaco und Porto sind zwei Winzlinge in der Welt der Großen. Aber wer clever spielt, kommt eben weiter», sagte Monacos Abwehrspieler Hugo Ibarra.

Dass lange Zeit missachtete Profis wie Fernando Morientes (Monaco) und Derlei (Porto) zu gefeierten Hauptdarstellern avancierten, rundet das Bild vom Aufstand der Underdogs gegen die Arrivierten ab. Der in Madrid ausgemusterte Morientes führt mit neun Treffern die Torjägerliste der Königsklasse an und könnte die Trophäe zum vierten Mal in den Nachthimmel recken. Der von einem Kreuzbandriss genesene und in seinem Heimatland Brasilien lange Zeit nahezu unbekannte Derlei ebnete mit seinem Treffer im Halbfinale bei La Coruna den Weg ins Endspiel.

Auch die Trainer beider Mannschaften werden mittlerweile hoch gehandelt: So stehen Mourinho und Didier Deschamps auf der Wunschliste des FC Chelsea ganz oben. Allein die Karriere von Mourinho, der anders als der Weltmeister und zweimalige Champions-League-Sieger Deschamps in seiner aktiven Zeit nie über die 2. Liga hinauskam, mutet wie ein Fußball-Märchen an. Doch der kuriose Aufstieg vom Übersetzer des damaligen Sporting-Trainers Bobby Robson zum neuen Star der Trainergilde kommt nicht von ungefähr. Sein für portugiesische Mannschaften ungewöhnliches Spielsystem mit solider Verteidigung und einfachen Pässen machte sich bereits beim UEFA-Cup - Gewinn gegen Celtic Glasgow vor einem Jahr in Sevilla bezahlt.

17 Jahre nach dem Sieg im europäischen Landesmeister-Cup über den FC Bayern München durch das unvergessene Hackentrick-Tor von Rabah Madjer träumt ganz Portugal vom neuen Coup. Nicht minder groß ist die Hoffnung in Monaco. Immerhin kegelte der Club aus dem Fürstentum mit Real Madrid und Chelsea zwei Favoriten aus dem Wettbewerb. Die historische Chance auf den ersten europäischen Titel will sich Kapitän Ludovic Giuly nicht entgehen lassen: «Wenn wir dieses Jahr die Champions League nicht gewinnen, gewinnen wir sie nie.»

Nicht nur bei den Profis beider Mannschaften, sondern auch bei den Organisatoren wächst vor dem Anpfiff die Anspannung. Denn die Ausrichtung des ersten Champions-League-Finales in Deutschland seit dem 3:1-Triumph von Borussia Dortmund gegen Juventus Turin am 28. Mai 1997 in München ist eine besondere Herausforderung. Die Partie, zu der zahlreiche Prominente aus Politik und Sport erwartet werden, gilt als Testlauf für die WM 2006, bei der in Gelsenkirchen vier Vorrundenspiele und ein Viertelfinale ausgetragen werden.

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