Monatelange Gespräche überraschend abgebrochen
KLM und British Airways sagen Fusion ab

Die Fusionsgespräche zwischen der niederländischen Fluggesellschaft KLM und British Airways sind gestern Abend überraschend beendet worden. Noch am morgen hatte es geheißen, bis Anfang Oktober wolle man den EU-Wettbewerbshütern offiziell die Fusionspläne vorlegen.

LONDON/AMSTERDAM. Die Fusion von British Airways und der niederländischen KLM zur drittgrößten Flugggesellschaft der Welt ist gescheitert. Wie beide Unternehmen gestern abend bekanntgaben, wurden die seit Monaten andauernden Fusionsverhandlungen beendet. Damit sind Fusionsbemühungen zwischen beiden Partnern bereits zum zweiten Mal abgebrochen worden. Schon vor neun Jahren misslang das Vorhaben wegen unterschiedlicher Ansichten zu den Beteiligungsverhältnissen.

Diesmal waren die Verhandlungen schon weiter gediehen. "Wir hatten 90 Prozent der Themen geklärt", hieß es gestern Abend im Umfeld von British Airways. Die KLM-Seite sei aber nicht mit der starken Positon der Briten einverstanden gewesen. "Am Ende konnten wir nicht sicher sein, das Geschäft künftig gemeinsam mit KLM effektiv und profitabel beherrschen zu könne", begründete eine BA-Sprecherin in London die überraschende Entscheidung.

Bei KLM hieß es dagegen, die Frage der Machtverteilung habe dieses Mal keine Rolle gespielt. Als unüberwindbar hätten sich die außerordentlich komplizierten luftfahrtpolitischen und rechtlichen Hürden erwiesen, vor denen das Vorhaben von Anfang an stand. Trotz bedeutender Fortschritte sei es nicht möglich gewesen, diese Probleme zu lösen, erläuterten die Vorsitzenden beider Gesellschaften.

Die kartellrechtlichen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter sollen keine Rolle bei dem Abbruch der Gespräche gespielt haben, hieß es bei BA. Man habe sehr gute Gespräche auf informeller Ebene geführt. Brüssel soll gefordert haben, dass nach einer erfolgreichen Fusion eine der Low-Cost-Airlines sowie Flug- und Landerechte in Amsterdam und London abgebene werden müssen. Zu British-Airways gehört die Billiglinie Go, KLM bietet mit der Tochter Buzz günstige Linienflüge.

British Airways erklärte, der Konzern werde trotz der gescheiterten KLM-Übernahme weiter expandieren. BA werde seine Positon als Marktführer in Europa verteidigen, sagte BA-Chairman Lord Marshall, "und wir werden weiter nach Möglichkeiten schauen, diese Position auszubauen."

Dennoch ist das Scheitern für das britische Vorzeigeunternehmen eine Schlappe, nachdem die Airline bereits im letzten Geschäftsjahr erstmals in die roten Zahlen geflogen ist. Britsih Airways wollte mit der Übernahme der KLM vor allem den europäischen Konkurren-ten Lufthansa überflügeln und wie-der auf die Gewinnstrecke zurückkehren.

Für KLM bedeutet das Scheitern der Verhandlungen einen enormen Rückschlag, nachdem im Frühjahr schon die jahrelang vorbereitete Fusion mit Alitalia gescheitert war. KLM-Vorstandschef Leo van Wijk bestreitet das allerdings. "KLM hat auch allein stehend eine glänzende Zukunft", sagte er. In den vergange-nen Monaten habe sich der Carrier weiter erfolgreich auf die Verbesserung der Rentabilität konzentriert, sei finanziell sehr stark, habe ein wachsendes und profitables Geschäft und sei in Europa gut positioniert, begründete er. Gleichwohl hält er eine Konsolidierung in der europäischen Luftfahrt für unvermeidbar. Da eine volle Fusion mit einem europäischen Car-rier höchste Priorität für van Wijk habe, dürfte er nicht sehr lange mit neuen Projekten auf sich warten lassen, meinen Analysten an der Amsterdamer Börse.

Unterdessen versucht KLM über andere Wege zu expandieren. So knüpfte die Fluggesellschaft mit der niederländischen Eisenbahngesell-schaft Nederlandse Spoorwegen (NS) engere Bande. Beide wollen gemeinsam mit dem britischen Transportbetrieb National Express die 15jährige Betriebskonzession für den niederländischen Teil der Hochgeschwindigkeitsstrecke Amsterdam-Rotterdam-Brüssel-Paris (HSL Zuid) erwerben. Vor wenigen Tagen reichten sie ihren Antrag zur Teilnahme an der Versteigerung ein.

Außerdem vereinbarten KLM und NS, dass ab 1. Oktober alle KLM-Passagiere kostenlos per Bahn zum internationalen Flughafen Schiphol fahren können. Das Flugticket gilt - sofern in den Niederlanden gekauft - auch als Bahnticket. Die Konzerne denken, durch das Gratis-Ticket den Anteil der Bahn reisenden Passagie-re von 30% auf 40% bis 2005 stei-gern zu können. Was die zunächst auf ein Jahr geschlossene Vereinbarung kostet, gaben die Unternehmen nicht preis. Angeschlossen sind auch die KLM-Partner Northwest Airlines, Kenya Airways, KLM alps, KLM UK und Air Engiadina.

Mit KLM als Partner bei der Versteigerung der HSL-Lizenz stärkt die NS ihre Position gegenüber dem Konsortium Deutsche Bahn/Arriva. Deren Interesse hatte kürzlich in Den Haag Befürchtung geweckt, die NS könnte wegen ihrer im Vergleich zur Deutschen Bahn schlechteren Finanzlage und mangelnden Erfahrung mit Hochgeschwindigkeitszügen ausgebremst werden (Handelsblatt vom 11.9.). NS selbst hält ihr Überleben ohne den Zuschlag für die HSL-Strecke für gefährdet.

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