Monatsbericht der BoJ
Konjunktur in Japan schwächt sich weiter ab

Schlechte Nachrichten aus Fernost: Die Bank von Japan sieht die konjunkturelle Lage schlechter als noch vor einem Monat. Investitionen nähmen ab, die Produktion habe "dramatisch nachgelassen".

Reuters TOKIO. Nach der japanischen Regierung beurteilt nun auch die Bank von Japan (BoJ) die wirtschaftliche Situation des Landes negativer. In ihrem am Montag vorgelegten Konjunkturbericht (Tankan) für Juni stellt die BoJ fest: "Die Wirtschaft setzt ihren Anpassungsprozess verstärkt fort, da die Produktion dramatisch nachgelassen hat, hauptsächlich auf Grund des Rückgangs der Exporte." Noch am Freitag letzter Woche hatte die Notenbank ungeachtet der Forderung von Politikern der Tokioter Regierung nach einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zur Belebung der Konjunktur ihre Leitzinsen unverändert gelassen. Von Reuters befragte Volkswirte rechnen unterdessen damit, dass Japan im Fiskaljahr 2001/02 (31. März) nur ein Null-Wachstum erreichen wird. Der Yen verlor nach dem Tankan-Bericht zum Dollar und Euro an Boden.

In ihrem Juni-Bericht stellt die Notenbank weiter fest, die Investitionen der japanischen Wirtschaft nähmen ab, während gleichzeitig der Aufbau der Läger zu einem starken Rückgang der Produktion führe. Zudem verhielten sich die Banken bei der Vergabe von Krediten an kleinere Firmen vorsichtiger. Hoffnung setzt die BoJ auf die Weltwirtschaft. Die allgemein erwartete Erholung der Weltwirtschaft könnte nach ihrer Einschätzung im späteren Verlauf dieses Jahres die Exportwirtschaft stützen. Dagegen könnte jedoch eine anhaltende Abkühlung der weltweiten Konjunktur die Probleme Japans noch verschärfen.

Erst am letzten Donnerstag hatte die japanische Regierung in ihrem Konjunkturbericht für Juni zum fünften Mal in Folge die Aussichten für das Wachstum der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft nach unten revidiert. Statt der Formulierung "weitere Abschwächung" wie im Mai-Bericht wählte die Regierung in dem Juni-Bericht den Begriff "Verschlechterung". Die Wortwahl verdeutliche, dass es mit der Wirtschaft bergab gehe, erläuterte Haruhito Arai, Wirtschaftsberater der Regierung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Japans war im ersten Quartal um 0,2 % gesunken. Finanzminister Masajuro Shiokawa hatte sogar faktisch den Zustand der Rezession festgestellt.

Wegen der nachlassenden Wirtschaftsleistung hatten Politiker in den vergangenen Wochen die Notenbank aufgefordert, ihre Geldpolitik weiter zu lockern. So sagte Wirtschaftsminister Heizo Takenaka, er hoffe auf weitere Erleichterungen für die Kreditvergabe.

Dagegen hatte der geldpolitische Ausschuss der BoJ am Freitag einstimmig für eine Beibehaltung des geldpolitischen Kurses votiert. Notenbank-Gouverneur Masaru Hayami hatte schon am Vortag Erwartungen auf eine weitere Lockerung gedämpft. Da der Geldmarktzins faktisch bereits Null beträgt, könnte die Liquidität im Bankensektor nur durch einen verstärkten Aufkauf von Staatsanleihen erhöht werden oder durch eine Ausweitung der täglichen Guthaben der Banken bei der Zentralbank.

Von Reuters in der vergangenen Woche befragte 25 Volkswirte rechnen im Mittel (Median) für das laufende Fiskaljahr zum 31. März 2002 nur noch mit einem Null-Wachstum und damit dem schlechtesten Ergebnis der japanischen Wirtschaft in den letzten drei Jahren. Sie verwiesen zur Begründung ihrer Prognose auf die nachlassenden Aktivitäten japanischer Unternehmen sowie verschlechterte die Beschäftigungs- und Einkommenssituation. Vor allem der private Verbrauch, der etwa 60 % des japanischen BIP ausmache, zeige keine Anzeichen einer Erholung. Im April hatten die japanischen Konsumenten real 4,4 % weniger als im Vorjahresmonat ausgegeben.

Die japanische Währung geriet nach dem Tankan-Bericht am Devisenmarkt weiter unter Druck. Der Dollar notierte am Morgen mit 123,09/19 nach einer letzten Notiz am Freitagabend von 122,90/00 Yen. Der Euro kletterte auf 106,31 von 105,83 Yen im späten New Yorker Geschäft am Freitag.

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