Monatsbericht Dezember
EZB sieht Anzeichen für Inflationsrückgang 2003

Die schwache Konjunktur in der Euro-Zone hat nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Aussichten für einen Rückgang der Inflation im kommenden Jahr unter die Toleranzgrenze von zwei Prozent verbessert.

Reuters FRANKFURT. Die EZB-Experten reduzierten allerdings ihre Dezember-Projektion für die Inflation im kommenden Jahr gegenüber der Juni-Vorhersage kaum, während die Wachstumsprognose deutlich geringer ausfiel.

Die Zinssenkung der vergangenen Woche solle dazu beitragen, die konjunkturellen Aussichten für das Euro-Gebiet zu verbessern, indem das Vertrauen in der Wirtschaft gestärkt werde, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht Dezember. Die EZB hatte den Schlüsselzins um 50 Basispunkte auf 2,75 % reduziert - ein Schritt, der schon länger angesichts schwachen Wachstums und rückläufigen Inflationsdrucks erwartet worden war.

Die Aussichten hätten sich verbessert, dass die Inflation im Verlauf 2003 unter zwei Prozent falle und dort verharre, heißt es im Vorwort des Berichts, das weitgehend den Ausführungen von EZB-Präsident Wim Duisenberg nach der Zinssenkung vergangener Woche entspricht. Sowohl die Kursgewinne des Euro als auch die verhaltene Konjunktur dürften den Preisdruck mildern. Allerdings werde die Inflation nur sinken, wenn Ölpreise und Arbeitskosten nicht weiter stiegen.

Die enttäuschende Konjunkturentwicklung 2002 führt die EZB auf die anhaltend hohe Unsicherheit über die wirtschaftlichen Folgen eines Irak-Kriegs sowie über die Schwäche von Finanzmärkten und Weltkonjunktur zurück. Die EZB geht jedoch weiterhin davon aus, dass sich die Konjunktur 2003 allmählich erholt und Wachstumsraten erreicht, die näher am Potenzialwachstum von 2,0 bis 2,5 % liegen. Das Potenzialwachstum ist die Rate, um die eine Volkswirtschaft expandieren kann, ohne dass dabei eine höhere Inflation entsteht. Der erwartete Inflationsrückgang werde den Konsum stützen. Ein Anstieg der Exporte werde neben dem niedrigen Zinsniveau Investitionen anregen.

Inflationsprojektion kaum veringert

Die gedämpften Wachstumserwartungen schlagen sich auch auf die halbjährlichen Projektionen der Experten von EZB und nationalen Notenbanken nieder. Für das Wachstum sagen die Volkswirte nur noch eine Bandbreite von 1,1 bis 2,1 % und damit einen Prozentpunkt weniger voraus als im Juni. Die meisten Wachstumsprognosen anderer Institutionen und Banken liegen knapp unter zwei Prozent. Für 2004 nehmen die EZB-Ökonomen einen stärkeren Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,9 bis 2,9 % an.

Kaum geringer als im Juni fiel dagegen die Projektion für die Inflationsrate aus. Hier erwarten die Experten eine Spanne von 1,3 bis 2,3 % nach 1,3 bis 2,5 % im Juni. Die geschätzte Bandbreite für 2004 beträgt 1,0 bis 2,2 %. "Dies lässt sich durch die Korrektur der Projektionen für die inländischen Kostenfaktoren nach oben erklären", heißt es dazu im Monatsbericht. Dies betrifft vor allem die Arbeitskosten: Da sich das Wachstum der Löhne nicht so stark verringern werde wie der Zuwachs an Arbeitsproduktivität, sei von höheren Lohnstückkosten auszugehen. Die von höheren Löhnen ausgehenden Preisrisiken kämen aber wahrscheinlich nicht zum Tragen, solange sich das gesamtwirtschaftliche Umfeld nicht erheblich ändere, heißt es dazu an anderer Stelle etwas optimistischer.

Die Notenbank bezeichnet ihre halbjährlichen Vorhersagen bewusst stets nur als "Projektionen", denn den Daten liegen Annahmen zu Grunde, die die Prognosequalität stark einschränken wie etwa unveränderte Leitzinsen und Wechselkurse. Berücksichtigt sind dabei die Entwicklungen bis Mitte November. Damit ist die EZB-Zinssenkung vergangener Woche nicht in den Projektionen enthalten.

Reformen und Haushaltsdisziplin

Die EZB ruft die Mitgliedsländer einmal mehr dazu auf, mit zügigen strukturellen Reformen an Arbeits-, Güter- und Finanzmärkten zu mehr Wachstum beizutragen. Zudem gelte es, mit strikter Haushaltsdisziplin gemäß dem Stabilitäts- und Wachstumspakt die Voraussetzungen für mehr Wachstum und Beschäftigung zu verbessern. Die flaue Konjunktur sei der Hauptgrund für den Anstieg der Defizite in diesem Jahr und werde auch im kommenden Jahr die Staatshaushalte belasten. Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal müssten beträchtliche Anstrengungen unternehmen, um übermäßige Defizite zu verhindern und ihre Haushalte glaubwürdig zu konsolidieren. Die übrigen Länder ermahnt die EZB, ihre Haushaltsdisziplin im Windschatten der der Länder mit unsoliden Finanzen zu lockern.

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