Monatsbericht
EZB bekräftigt Bereitschaft zu Zinssenkungen

Angesichts der ungewissen Konjunkturaussichten hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Bereitschaft zu weiteren Zinssenkungen bekräftigt. Eine spürbare Wachstumsbelebung wird nach Einschätzung der Währungshüter wahrscheinlich ausbleiben, bis die vor allem von der Irak-Krise ausgehende Unsicherheit in der Wirtschaft überwunden ist.

Reuters FRANKFURT. Das verhaltene Wachstum und der Anstieg des Euro habe die mittelfristigen Perspektiven für die Preisstabilität, das oberste Ziel der Zentralbank, verbessert, wird in dem am Donnerstag vorgelegten Monatsbericht März die Begründung der EZB für die Zinssenkung der vergangenen Woche wiederholt.

"Abhängig von der weiteren Entwicklung, die die mittelfristigen Aussichten für die Preisstabilität in jede Richtung verändern kann, ist der EZB-Rat bereit, entschlossen und rechtzeitig zu handeln", signalisiert die EZB mögliche weitere Zinssenkungen, betont aber zugleich, dass dafür die Inflationsaussichten den Ausschlag geben werden. Zu diesen heißt es zuversichtlich, die Teuerungsrate werde im Lauf des Jahres unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent fallen und "eindeutig auf einem Niveau verharren, das mit Preisstabilität vereinbar ist".

Dass die Inflation derzeit noch etwas über zwei Prozent liegt, führt die EZB auf den Ölpreisanstieg zurück. Längerfristig dürfte der Euro-Anstieg über die Importpreise niedrige jährliche Inflationsraten begünstigen.

Eingetrübte Konjunkturaussichten

Die Notenbank wiederholt im Vorwort des Berichtes weitgehend die Erklärung von EZB-Chef Wim Duisenberg nach der Zinssenkung vor einer Woche. Die EZB hatte den Schlüsselzins um 25 Basispunkte auf 2,50 % reduziert, da sie ihre internen Prognosen für Wachstum und Inflation gesenkt hat. Im Bericht wird Duisenbergs Wachstumsprognose von rund einem Prozent in der Euro-Zone in diesem Jahr nach 0,8 % 2002 nicht wiederholt, doch die Konjunkturaussichten wie auch von Duisenberg schon als trüb beschrieben: Der drohende Irak-Krieg und der damit verbundene Ölpreisanstieg hätten die Aussichten für das Wachstum verschlechtert und bewirkten hohe Unsicherheit. "Solange die Unsicherheit anhält, bleibt eine deutliche Wachstumsbelebung im Euroraum unwahrscheinlich."

Während das Geschäftsklima der Unternehmen zuletzt auf niedrigem Niveau verharrt habe, sei die Zuversicht der Verbraucher weiter geschwunden, so dass sich der Konsum abzuschwächen drohe. "Alles in allem deuten auch die jüngsten Ergebnisse auf eine anhaltende Konjunkturschwäche im Euro-Währungsgebiet zu Beginn dieses Jahres hin."

Die EZB warnt zugleich vor übertriebenen Erwartungen an die Geldpolitik. Jede Beurteilung künftiger Entwicklungen werde von den geopolitischen Spannungen und ihrer potenziellen Auflösung überschattet. "Dieser Art von Unsicherheit kann die Geldpolitik nicht begegnen", heißt es in dem Bericht.

An den Finanzmärkten hatte die Zinssenkung der EZB vergangene Woche Enttäuschung hervorgerufen, weil viele Marktteilnehmer nach einer klaren Ankündigung Duisenbergs eine stärkere Lockerung um 50 Basispunkte erhofft hatten. Nach Einschätzung von Volkswirten wird die EZB auch noch mindestens einmal mit den Zinsen heruntergehen. Die meisten Volkswirte gehen nach einer Reuters-Umfrage davon aus, dass eine weitere geldpolitische Lockerung spätestens bis Juni folgen wird.

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