Monatsbericht
EZB warnt deutlich vor Inflationsgefahren in Euro-Zone

Die Märkte erwarten nun einen weiteren Zinsschritt der Zentralbank.

Reuters FRANKFURT. Mit einer umfassenden Warnung vor Inflationsgefahren hat die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag einen deutlichen Hinweis auf mögliche weitere Zinserhöhungen in der Euro-Zone gegeben. In ihrem Monatsbericht August verweist die EZB vor allem auf den schwachen Euro-Wechselkurs und die hohen Ölpreise. Diese könnten die Verbraucherpreise auch in den kommenden Monaten deutlicher ansteigen lassen, als erwartet. Die jüngste Abschwächung des M3-Geldmengenwachstums dürfe dagegen nicht überbewertet werden. Die Risiken für die Preisstabilität seien auf mittlere Sicht weiter nach oben gerichtet. An den Finanzmärkten herrscht bereits seit geraumer Zeit die Auffassung, dass die Zentralbank schon bald nach der Sommerpause die Zinsen weiter anheben wird.

Der jüngste Rückgang des Euro-Wechselkurses habe die Besorgnis der Zentralbank im Hinblick auf die Teuerung verstärkt, hieß es in dem Monatsbericht weiter. Dies gelte sowohl für das Ausmaß der Kursverluste als auch für die Dauer der Abschwächung. Die weitere Entwicklung des Wechselkurses sei ein wichtiger Faktor für die Verbraucherpreise. Dies gelte umso mehr, da die Importpreise in einer Phase robusten Wirtschaftswachstums leichter auf die gesamten Verbraucherpreise durchschlagen würden. Im Hinblick auf die Preis- und Kostenentwicklung mahnte die EZB erneut zu Lohnzurückhaltung, um so genannte Zweitrundeneffekte bei der Inflationsentwicklung zu vermeiden.

Der wesentliche Faktor für den Anstieg der Inflationsrate auf 2,4 % im Juni ist nach Einschätzung der EZB jedoch die deutliche Ölpreiserhöhung zwischen April und Juni 2000. Auch in der nahen Zukunft könnten die Verbraucherpreise noch höher ausfallen, als bislang angenommen. "Auf Grundlage der derzeitigen Informationen könnte der Anstieg der Verbraucherpreise im Vorjahresvergleich in den nächsten Monaten (...) etwas höher ausfallen, als allgemein erwartet wurde", heißt es in dem Bericht. Im weiteren Verlauf des Jahres 2000 werde es vermutlich nur zu einem langsamen Abklingen der Energiepreis-Auswirkungen auf die Teuerung kommen.

Insgesamt werden die Preissteigerungsraten nach Auffassung der Zentralbank in den kommenden Monaten von gegenläufigen Faktoren beeinflusst werden. Sofern die Ölpreise nicht wieder anstiegen, sollten einerseits Basiseffekte zu greifen beginnen und den Beitrag der Energiepreise zur Inflation allmählich senken. "Andererseits dürften indirekte Effekte im Zusammenhang mit vorangegangenen Ölpreiserhöhungen und der kumulierten Abschwächung des Euro-Wechselkurses zu höheren Preisen für Waren (...) und Dienstleistungen führen", teilte die EZB mit.

Im Hinblick auf die Entwicklung der Geldmenge M3 und die möglichen Auswirkungen auf die Teuerung warnte die EZB davor, die jüngste Verlangsamung des Geldmengenwachstums überzubewerten. Sie könne auch von vorübergehenden Faktoren beeinflusst worden sein. Das Wachtum der Geldmenge M3 in der Jahresrate war im Juni auf 5,4 % nach 5,9 % im Mai zurückgegangen. Der Referenzwert der EZB liegt bei 4,5 %. "Insgesamt gesehen bleibt die Liquiditätsausstattung im Euro-Währungsgebiet großzügig", heißt es im Bericht weiter.

Die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone bezeichnete die Zentralbank als gut. Die Wirtschaftstätigkeit habe im zweiten Quartal zugenommen, die Inlandsnachfrage sei hoch. Auch die Arbeitslosigkeit gehe weiter zurück. Insgesamt würden auch die weltweit positiven Wachstumsaussichten zur Unterstützung der Konjunktur im Euro-Gebiet beitragen.

Der Monatsbericht bietet den Finanzmärkten die erste umfangreichere Orientierung über die Geldpolitik der EZB seit der letzten Pressekonferenz am 6. Juli. Die nächste EZB-Ratsitzung findet nach der Sommerpause am 31. August statt. Analysten rechnen bereits seit längerem mit einer weiteren Zinserhöhung im Herbst. Allerdings gehen die Meinungen noch auseinander, ob der Zinsschritt bereits unmittelbar nach der Sommerpause oder erst ab Mitte September vollzogen wird.

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