„Monsieur 100 000 Volt“
Schlager-Star Bécaud gestorben

Einer der Großen des französischen Schlagers ist tot: Gilbert Bécaud starb am Dienstag im Alter von 74 Jahren an Krebs.

afp PARIS. Der auch in Deutschland viel gefeierte Sänger und Komponist erlag am Morgen den Folgen einer Lungenkrebs-Erkrankung, wie ein Freund in Paris mitteilte. Bécaud veröffentlichte während seiner jahrzehntelangen Karriere rund 400 Chansons, darunter Welterfolge wie "Nathalie" und "L'important c'est la rose" ("Überall blühen Rosen"). Wegen seines Temperaments und Swing-Feelings wurde Bécaud in Frankreich "Monsieur 100 000 Volt" genannt. Aber auch in Deutschland, wo er noch im Sommer auf Tournee war, hatte er eine riesige Fangemeinde.

Letzte Platte 1999 veröffentlicht

Bécaud starb nach Angaben seines Lieblings-Texters und Freundes Pierre Delanoë in seinem Hausboot auf der Seine an der Brücke Saint-Cloud vor den Toren von Paris. Als er 1997 zu seinem 70. Geburtstag im Pariser Musiktempel "Olympia" auftrat, war er bereits von der Krebskrankheit gezeichnet. Seine letzte Platte "Faut faire avec" veröffentlichte er 1999, die letzte Einspielung "Mon Cap" wurde bislang nicht veröffentlicht. In seinen besten Zeiten brachte es Bécaud auf 250 Auftritte pro Jahr. Dabei trug er seinen legendären blauen Einreiher und stets eine gepunktete Krawatte auf weißem Hemd, auf der Bühne stand ein gläserner Flügel für ihn bereit.

Bécauds Musik hat eine ganze Generation von Schlagersängern geprägt. Die "Stimme Frankreichs" spielte auch zahlreiche Evergreens auf Deutsch ein, darunter "Nathalie", "Nimm dir doch Zeit" ("Il faut marcher"), "Es ist nie zu spät" ("T'es venu de loin") oder "Dann wird alles zu Ende sein" ("Le spectacle c'est terminé"). Die Hits brachten ihm in Deutschland die Gunst eines breiten Publikums ein. Bécaud kam am 24. Oktober 1927 im südfranzösischen Toulon als François Gilbert Silly in einer Kaufmannsfamilie zur Welt. Als junger Mann studierte er Klavier am Konservatorium in Nizza.

Barmusiker während des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er zunächst als Barmusiker in den Pariser Nachtclubs, bis er 1952 von Edith Piaf entdeckt wurde. Die Diva ermutigte den jungen Pianisten, selbst als Sänger aufzutreten - und soll eine Affäre mit ihm gehabt haben. Bécaud suchte sich die besten Textdichter Frankreichs, unter ihnen Delanoë und Louis Amade, um seine Schlagermelodien zu vervollkommnen. Aus dieser Zusammenarbeit gingen die rund 400 Chansons hervor, von denen Dutzende um die Welt gingen. Bald folgten triumphale Tourneen durch Europa und Gastspiele in den USA.

Zu den größten Erfolgen Bécauds zählen auch "Et maintenant", "Je reviens te chercher" oder "Quand il est mort le poète" (Wo ist die Liebe zuhause). Mit "Et maintenant" feierte er Triumphe in den USA, wo der Song in der englischen Version "What now my love" von rund 150 Sängern interpretiert wurde, darunter von Frank Sinatra und Barbara Streisand. 1966 gab Bécaud ein dreiwöchiges Gastspiel am Broadway.

Chirac: "Talentierter Botschafter"

In Frankreich wurde der Tod des 74-Jährigen mit Bestürzung aufgenommen. Präsident Jacques Chirac nannte Bécaud "einen der talentiertesten Botschafter" des französischen Chansons, Premierminister Lionel Jospin sprach von einem sensiblen Komponisten, der es verstanden habe, sein Publikum zu elektrisieren.

Bécaud war zweimal verheiratet; er hatte fünf leibliche Kinder und ein Adoptivkind. Wenn er in Frankreich war, lebte er abwechselnd in seinem Haus auf Korsika, im westfranzösischen Poitou oder in seinem Hausboot auf der Seine.

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