„Monster“-Vorwurf
Eklat im Obama-Team

Bisher haben sich die beiden demokratischen Spitzenkandidaten für die US-Präsidentschaftswahl, Barack Obama und Hillary Clinton, im Wahlkampf mit persönlichen Anfeindungen zurückgehalten. Doch nach den Resultaten vom Dienstag ist alles anders. Die unbedachte Äußerung einer wichtigen Beraterin Obamas führte nun zum Eklat.

mz/HBWASHINGTON. Der Ton im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wird immer schärfer. Eine außenpolitische Beraterin des schwarzen Senators Barack Obama trat am Freitag zurück, nachdem sie dessen Rivalin Hillary Clinton in einem Zeitungsinterview ein „Monster“ genannt hatte. Obama seinerseits hatte sich von der Äußerung distanziert, bei der sich die Beraterin, Samantha Power, auf Clintons Wahlkampftaktiken bezogen hatte. „Sie ist zu allem bereit“, sagte Power in dem am Freitag veröffentlichten Interview der schottischen Zeitung „The Scotsman“ weiter.

Clinton ihrerseits hatte Obama postwendend aufgefordert, seine Beraterin, eine Harvard-Professorin, zu entlassen. Nach Angaben aus Obamas Wahlkampflager gehörte sie zu den unbezahlten Mitarbeitern des Teams.

Der Verlust von Power ist einschneidend. Schließlich war sie es, die die außenpolitischen Ansichten Obamas beinflusste. Zu Barack Obama stieß sie als freie Beraterin Mitte 2005. Sie war es, die Obama zum beharrlichen und scharfen Kritiker des Bush-Feldzuges im Irak werden ließ. Sie schrieb seine Reden bei Antikriegsdemonstrationen und zweifelte stets die Bush-Version über Beweise für Massenvernichtungswaffen im Irak an.

Im demokratischen Lager kämpfen beide Teams zunehmend mit härteren Bandagen. Bei Clinton gibt es eine starke Fraktion, die die Erfolge in Ohio, Rhode Island und Texas der härteren Gangart der Bewerberin zuschreibt. Sollte dies als Erfolgsrezept gelten, dann steht ein eher schmutziger Schlussspurt mit weiteren Verlusten nach dem Power-Beispiel bevor.

Clinton hatte vor den entscheidenden Wahlgängen ihre Tonart geändert. Statt ihre eher menschliche Seite zu präsentieren, um das Image einer stählernen Politikerin weich zu zeichnen, schwenkte sie auf scharfe Kritik um. Am deutlichsten wurde dies, als sie auf einer Wahlveranstaltung in Cincinnati „Schäm dich, Barack Obama“ rief.

Sie warf dem konkurrierenden Lager zudem vor, in einem regional verteilten Memo ihre Gesundheitspläne absichtlich verzerrt darzustellen. Der schneidenden Rhetorik folgten weitere, zum Teil versteckte Angriffe. Etwa als Hillary am vergangenen Sonntag im „60-Minutes“-Interview bei CBS auf die Frage, ob sie glaube, dass Obama ein Moslem sei, zwar zunächst „Nein“ sagte.

Dann aber relativierte sie: „Soweit ich weiß“. Dabei hatte Obama dutzendfach erklärt, dass er Christ ist. Dazu passend zirkulierte kurz vorher eine Aufnahme von Obama mit Turban – und wenngleich nicht bestätigt, so spricht viel dafür, dass dieses Bild von Clinton lanciert wurde.

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