Montag wird Preisspanne veröffentlicht
Fonds fordern Bescheidenheit von HVB

Der geplante Börsengang der Bank Austria wird für den deutschen Mutterkonzern, die Hypo-Vereinsbank (HVB), kein Selbstläufer. HVB-Chef Dieter Rampl will durch die Platzierung von knapp 25 % der Tochter an der Wiener Börse 1,1 bis 1,3 Mrd. Euro einsammeln. Doch dieses Ziel ist ehrgeizig.

FRANKFURT/M. Vom Handelsblatt befragte Fondsmanager sehen Rampls Untergrenze von 29 Euro je Aktie bereits als Preisobergrenze. Das Geschacher um die Höhe des Emissionskurses ist in vollem Gange. Am Montag wollen HVB und Bank Austria die Preisspanne für die bislang größte europäische Emission in diesem Jahr bekannt geben.

Die HVB hat sich entschlossen, Anfang Juli einen Teil ihrer Österreich-Tochter an die Börse zu bringen, um so ihre dünne Kapitaldecke zu stärken. Derzeit testen die Analysten der Konsortialbanken die Zahlungsbereitschaft der großen institutionellen Anleger. Im Schnitt bewerten die Analysten von drei Konsortialbanken die Bank Austria auf Basis der für 2003 erwarteten Gewinne mit 4,4 Mrd. Euro. An der Spitze steht Merrill Lynch mit 4,7 Mrd. Euro, gefolgt von Credit Suisse First Boston mit 4,6 Mrd. Euro. Skeptischer zeigt sich JP Morgan, einer der beiden Führungsbanken des Börsengangs, mit einer Bewertung von 4 Mrd. Euro. Ausreißer ist die Citigroup, die den fairen Wert der Bank Austria auf rund 6 Mrd. Euro beziffert.

Nimmt man die Schätzungen von JP Morgan und Merrill Lynch als Grundlage ergibt sich für den Aktienpreis eine Spanne von rund 26 bis etwa 31 Euro. Rampl hatte dagegen eine Spanne von 29 bis 34 Euro vorgegeben. "29 Euro wäre für uns die Obergrenze", macht Jens Meyer von der Fondsgesellschaft Deka klar. "Eigentlich sollte sich die Hypo-Vereinsbank noch etwas bescheidener zeigen". Nehme man den wichtigsten Konkurrenten der Bank Austria, die Erste Bank, als Maßstab, ergebe sich eine Bewertung zwischen 31 und 31,50 Euro, erläutert Fondsmanager Meyer. Davon müsse allerdings noch der bei großen Börsengängen übliche Abschlag abgezogen werden. Außerdem agiere die Erste Bank auf ihren wichtigsten Märkten erfolgreicher als die Bank Austria. Jochen Mathee von der Fondsgesellschaft Invesco argumentiert ähnlich: "Die Preisvorstellungen der HVB sehen im Vergleich zu der in der Region ähnlich aufgestellten Ersten Bank recht teuer aus". Er erwartet einen Abschlag von 10 bis 15 % im Vergleich zur Ersten Bank. Der Wettbewerber ist zwar in weniger Ländern als die Bank Austria präsent, dafür dort aber flächendeckend.

Die bescheidene Bewertung von 26 Euro je Aktie des Konsortialführers JP Morgan basiert auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11 für 2003. "Nach dem jüngsten Kursanstieg wäre das angemessen", meint Thomas Körfgen von SEB Invest. Auch er sieht 29 Euro als Obergrenze für den Börsengang.

Bei der Vermarktung der Aktie setzen die Banken voll auf das Wachstumspotenzial der Bank Austria in Osteuropa. Allerdings warnen mehrere Häuser vor Risiken auf dem Heimatmarkt Österreich und in Polen. Glaubt man den Prognosen von JP Morgan, dann wird 2003 für die Bank Austria ein durchwachsenes Jahr mit stagnierenden Gewinnen. Für 2004 und 2005 sagen die Analysten dann ein kräftiges Gewinnplus von 24 % und 12 % voraus.

Die österreichischen Kleinanleger haben die Bank Austria dagegen noch in schlechter Erinnerung. Anfang 2001 tauschten sie bei einem Kurs von über 60 Euro Bank-Austria-Aktien eins zu eins in HVB-Aktien. Seitdem sind die Papiere der Münchner aber in den Keller gegangen. "Die Aktionäre sind noch sehr verärgert, meint Wilhelm Rasinger vom Wiener Interessenverband für Anleger. Er hält ebenfalls einen Preis von unter 30 Euro für fair.

Ob der HVB-Großaktionär AVZ, eine Stiftung, die der Stadt Wien nahe steht, Bank-Austria-Aktien kauft, ist nach Angaben von Stiftungsvorstand Hedwig Fuhrmann noch offen. Ein Engagement gilt in Branchenkreisen als eher unwahrscheinlich. Die AVZ hält etwa 5 % an der HVB.

Der Aufsichtsratschef der Bank Austria, Gerhard Randa, zeigte sich gestern vom Erfolg der Emission überzeugt. In Wiener Bankenkreisen wird auch darauf verwiesen, dass die Bank-Austria-Aktie an der Wiener Börse in Zukunft ein hohes Gewicht haben wird und sich Fonds schon deshalb engagieren müssen.

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