Moody´s hebt Rating-Ausblick an
Bund prüft Verkauf von Telekom-Aktien an KfW

Die Bundesregierung prüft nach Angaben der Grünen zur Gegenfinanzierung einer vorgezogenen Steuersenkung den Verkauf eigener Aktien der Deutschen Telekom an die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Reuters FRANKFURT/BERLIN. Die Grünen-Haushaltsexpertin Antje Hermenau sagte am Mittwoch im Fernsehsender ZDF, derzeit spreche der Bund über ein "Zwischenparken" von Telekom-Anteilen bei der bundeseigenen Bank. Bund und KfW halten zusammen noch rund 43 Prozent an dem größten europäischen Telekom-Unternehmen. Die Telekom wollte sich nicht zu der möglichen Transaktion äußern. "Das ist Sache des Bundes und nicht unsere Entscheidung", sagte ein Sprecher. Bei der KfW war zunächst keine Stellungnahme erhältlich.

An der Börse wurden die Telekom-Aktien in einem behaupteten Gesamtmarkt zunächst mit einem Plus von gut einem Prozent gehandelt und lagen am Vormittag noch gut 0,5 Prozent im Plus bei 13,40 Euro. Händler begründeten den Kursanstieg damit, dass die Rating-Agentur Moody's die langfristigen Bonitäts-Aussichten für die Telekom inzwischen besser einschätze. Ein Transfer von Telekom-Aktien vom Bund zur KfW sei dagegen am Markt bereits seit längerem erwartet worden, sagte ein Händler.



Grünen: Platzierung von T-Aktien am Markt lohnt sich nicht

Im Zuge der Diskussion um ein Vorziehen der dritten Stufe der Steuerreform überlegen die Grünen, ob zur Gegenfinanzierung der Steuerausfälle Beteiligungen des Bundes veräußert werden sollen. Der Bund hält noch 31 Prozent der insgesamt knapp 4,2 Milliarden T-Aktien, was einem Paketwert von rund 17,5 Milliarden beim derzeitigen Kursniveau entspricht. Nach Einschätzung der Grünen-Haushaltsexpertin Hermenau dürfte sich ein Verkauf von Telekom-Aktien am Finanzmarkt derzeit aber kaum rentieren. "Man kann sie vielleicht zwischenparken, das wird gerade diskutiert mit der KfW", sagte die Politikerin.

Bereits in der Vergangenheit hatte der Bund Telekom-Aktien an die KfW veräußert und den Erlös zeitnah im Haushalt verbucht. Im vergangenen Jahr hatte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) ein Zwischenparken von Aktien der Telekom und der Deutschen Post für 2003 angekündigt. Derzeit hält die KfW noch zwölf Prozent des Telekom-Kapitals. Im Jahr 2000 waren aus dem Bestand der KfW rund 230 Millionen Telekom-Aktien über die Börse verkauft worden. Differenzen zwischen dem Verkaufspreis an die KfW und dem späteren Platzierungspreis an der Börse werden in der Regel größtenteils ausgeglichen.

Rating-Ausblick für Telekom angehoben

Die US-Ratingagentur Moody's sieht unterdessen Fortschritte der Deutschen Telekom beim Abbau ihrer Verschuldung von zuletzt 56,3 Milliarden Euro. Der Ausblick für die langfristige Bonität des Unternehmen wurde deshalb angehoben. Für die Baa3-Langfristratings der Telekom sei der Ausblick nun "Positiv" nach bisher "Stabil", teilte Moods's am Dienstagabend mit. Der Ausblick für die Ba3-Langfrist-Schulden der US-Mobilfunktochter T-Mobile sei auf "Positiv" von "Negativ" heraufgesetzt worden.

In den jüngsten Geschäftszahlen des Konzerns spiegele sich die Verpflichtung des Telekom-Managements wider, die Kosten zu reduzieren und den operativen Geschäftsverlauf zu verbessern. Zudem wachse der Konzern in seinen Kerngeschäftsfeldern.

Bis Jahresende will die Telekom durch Einsparungen und Verkaufserlöse ihre Schulden auf 50 bis rund 53 Milliarden Euro abgebauen und dadurch ihre finanzielle Handlungsfähigkeit wieder herstellen. Vor gut einem Jahr hatte die Telekom einen Schuldenstand von knapp 70 Milliarden Euro. Nach dem größten Verlust der deutschen Firmengeschichte im Jahr 2002 mit knapp 25 Milliarden Euro wies die Telekom dank eines verbesserten operativen Geschäfts in den ersten drei Monaten 2003 wieder einen Nettogewinn von rund 100 Millionen Euro aus. Seit Mitte November wird die Telekom von Kai-Uwe Ricke geführt, nachdem der langjährige Konzernchef, Ron Sommer, unter anderem wegen Kritik an der hohen Schuldenlast und des Kurssturzes der Aktie zurückgetreten war.

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