Moody’s kündigt Abwertung britischer Versicherer an
Für Lebensversicherer wird das Eis dünner

Die deutschen Lebensversicherer brauchen dringend mehr Kapital, mehr Transparenz und müssen die Gewinnbeteiligungen ihrer Kunden empfindlich kürzen. Das ergab eine am Montag in Frankfurt vorgestellte Untersuchung der Rating-Agentur Fitch.

DÜSSELDORF/LONDON. Sie ist der vorläufige Höhepunkt einer Reihe von kritischen Analysen zum deutschen Lebensversicherungsmarkt, die morgen von WestLB Panmure und übermorgen von den Experten der Fachhochschule Köln fortgesetzt wird. Bereits vergangene Woche hatte Goldman Sachs den hiesigen Lebensversicherern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Fitch kam zu dem Schluss, dass einige Lebensversicherungesellschaften in Deutschland in Solvenzprobleme geraten könnten. Etwa die Hälfte der 75 untersuchten Versicherer wurde von Fitch hinsichtlich der Kapitalausstattung als "schwach" (weak) eingestuft. Im Durchschnitt kam der Sektor auf das Urteil "mäßig schwach" (moderately weak), während in den beiden Vorjahren noch von "sehr stark" (very strong) und "außerordentlich stark" (exceptionally strong) die Rede gewesen war. Am unteren Ende der Liste wurden als Schwächste die Gesellschaften Mannheimer, Familienfürsorge, Dialog, HUK-Coburg und DEVK Allgemeine genannt. Auf Grund der Schwäche müssten viele Gesellschaften nach Ansicht von Fitch ihre Überschussbeteiligung auf das garantierte Minimum von 3,25 % reduzieren.

Sektor-Analyse deutsche Lebensversicherung: Finanzierung der Zuweisung von Gewinnbeteiligungen aus Sicherheitsmitteln

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Sektor-Analyse deutsche Lebensversicherung: Kapital-Adäquanz/Sicherheitsmittelaustattung deutscher Lebensversicherer

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Auch in Großbritannien verschlechtert sich das Umfeld für die Lebensversicherer merklich. Die Ratingagentur Moody?s gab am Montag bekannt, die Kreditbewertung der meisten Versicherer auf eine mögliche Herabstufung zu überprüfen. Betroffen sind neben dem Branchenprimus Aviva etwa Prudential/Scottish Amicable, Legal & General und Standard Life. "Die Versicherungsindustrie hat weniger Möglichkeiten, Verluste abzufedern und geringere finanzielle Flexibilität, was sich kurzfristig auch nicht ändern wird", warnt Moody?s.

Während die Versicherer in Großbritannien an Ratings gewöhnt sind, ist die Situation in Deutschland eine andere: "Die Versicherungsbranche ist äußerst intransparent", klagt der Autor der Fitch-Studie, Marco Metzler. Seine Daten beruhen daher ausschließlich auf veröffentlichten Geschäftszahlen - überwiegend aus dem Jahr 2001. Auch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) wurde den Analysten keine Hilfe zuteil. Deren Berichte werden zu spät veröffentlicht.

Metzler drängt auf Veränderungen: "Die Branche braucht ein vernünftiges Rating", sagt der Autor der Studie. Das, was auf dem Markt sei, leide unter einem zu starken Fokus auf Renditegesichtspunkten. Vor allem in diesen schwierigen Kapitalmarktzeiten sei hingegen die Finanzkraft des Lebensversicherers für Kunden und Vermittler viel interessanter.

Die Rating-Agentur Assekurata bewertet die Versicherer bereits seit längerem danach. Ihre Ergebnisse werden allerdings nicht automatisch veröffentlicht - da sie sich auf interne Unternehmensdaten stützen, haben die Kunden ein Vetorecht. So dringen meist nur gute Ratings an die Öffentlichkeit. Im Prinzip gilt das auch für die großen Ratingagenturen, wie Moody?s, Standard & Poor?s und Fitch.

Assekurata hat einen eigenen Weg gefunden, um die Renditeaussagen der Lebensversicherer kritisch zu durchleuchten - und zu veröffentlichen. Die Kölner haben zusammen mit der Fachhochschule eine fundierte Untersuchung an Hand externer Daten angestellt. "Dabei haben wir schon vor zwei Jahren festgestellt, dass die vollmundigen Prognosen der Versicherer nicht haltbar waren", sagt Reiner Will, Assekurata-Geschäftsführer.

Die Krise der Lebensversicherer ist also nicht neu. Sie geht einher mit der Krise an den Kapitalmärkten. Es hat sich gezeigt, dass die Assekuranz nicht so immun gegen Marktschwankungen ist, wie sie es seit Jahrzehnten darzustellen versucht. Die damit verbundenen Risiken sind dem Kunden jedoch nicht so bewusst, wie bei anderen Anlagen. Für ihn macht es aber einen enormen Unterschied, ob sein Aktienportefeuille Verlust abwirft oder ob seine Altersversorgung, die er später kaum noch anderweitig auffüllen kann, bröckelt.

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