Moody’s senkt Rating für Töchter der Zurich Financial Services
Zweifel an Finanzkraft von Versicherern belastet Aktienkurse

Sorgen um die Finanzkraft der Branche haben die europäischen Versicherungstitel erneut stark gedrückt. Die Angst vor Engagements bei Worldcom taten ihr Übriges.

DÜSSELDORF. Die Aktie der Zurich Financial Services (ZFS) brach zeitweise um über 9 % ein. Hauptgrund war hier, dass die Ratingagentur Moody?s die Bontitätseinstufung der Zurich Insurance Company (ZIC) und anderer Töchter des Versicherungskonzerns um zwei Stufen abgesenkt hatte. Die ZIC ist die Holding für die operativen Zurich-Gesellschaften in Europa, ihr Rating wurde von "Aa2" auf "A1" herunter gestuft. Als Gründe für die Ratingkorrektur nannte die Moody?s die Verluste aus dem Versicherungsgeschäft (11. September), die Verschuldung und die Verluste aus den Kapitalanlagen.

Standard & Poor?s bewertet die Finanzkraft der Zurich Gruppe weiterhin mit "AA-minus". Der Ausblick ist stabil. Darin spiegelt sich die Erwartung, dass das Rating wahrscheinlich auf diesem Niveau bleiben wird. "Die Entwicklung des Verschuldungsgrads steht in Einklang mit dem derzeitigen Rating", sagte Karin Clemens, S&P-Analystin. Gleichwohl erklärte sie: "Die Lage an den Börsen stellt für die Versicherer ein Problem dar."

Nicht nur Kredit-, auch Aktienanalysten machen sich Sorgen über die Folgen der desaströsen Lage an den Kapitalmärkten für die Versicherungskonzerne. Sal. Oppenheim hatte deswegen bereits im Frühjahr die ZFS und Swiss Life auf "Sell" herunter gestuft.

Die sinkenden Aktienkurse treffen die Versicherer gleich mehrfach: Zum einen bringen ihnen ihre Kapitalanlagen weniger ein, was unmittelbar auf die Gewinne durchschlägt. Die Kapitalanlagen dienen aber auch als Garantiemittel für Schadenzahlungen. Die Kursrückgänge bei Aktien und Bonds verringern daher tendenziell die Möglichkeit der Versicherer, bei Schadenfällen zahlen zu können. Zudem schränken sinkende Reserven die Möglichkeiten der Versicherer ein, neues Geschäft zu zeichnen.

Daher hat die Credit Suisse, die zweitgrößte Schweizer Bank, ihrer Versicherungstochter Winterthur vergangene Woche eine Kapitalspritze von 1,1 Mrd. Euro verpasst. Swiss Life, der größte Schweizer Lebensversicherer, erzielte einen Erlös von 554 Mill. Franken durch den Verkauf des Anteils an der Hedge Fund Gesellschaft RMF Investment an die Societé Générale. Die Aktie von Swiss Life brach gestern um über 9 % ein. "Deutsche Gesellschaften sind aber im Vergleich zu britischen oder einigen Schweizer Versicherern weniger stark bei Aktien engagiert", erklärte Dylan Ball, Versicherungsanalyst bei Credit Suisse First Boston in London. Bei einigen britischen Adressen liege der Aktienanteil der Anlagen 60 bis 70 %, bei deutschen Versicherern ist er per Verordnung auf maximal 40 % limitiert.

Daher legen die deutschen Versicherer ihr Geld überwiegend in festverzinsliche Wertpapiere an. Doch damit sind nicht über 6 % Rendite zu erzielen, wie sie derzeit in den meisten Lebenpolicen versprochen werden. Sollten die Märkte sich nicht bald erholen, rechnen auch Vorstände mit einer erneuten Senkung bei den Überschussbeteiligungen.

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