Moody’s und Standard & Poor’s rechnen mit weiter schwachen Erträgen – Keine Anzeichen für eine Liquiditätskrise
Ratingagenturen erwarten schweres Jahr für deutsche Banken

Moody?s behält den negativen Ausblick für die deutschen Banken bei. Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz stünden sie schlecht da. Doch von einer Systemkrise will die Ratingagentur nicht sprechen.

nw FRANKFURT/M. "Die schwache Rentabilität der deutschen Banken kann nicht länger durch stille Reserven gestützt werden, da diese nun ausgeschöpft sind", stellten die Bankanalysten der Ratingagentur Moody?s gestern bei der Präsentation ihrer Jahresstudie zum deutschen Bankenmarkt fest. Mit dem Rückgang des "ökonomischen Kapitals" hätten die Finanzhäuser ein zusätzliches Polster verloren, sagte Analyst Johannes Wassenberg.

Das ökonomische Kapital ist für Moody?s wichtiger Bestandteil der Bonitätsanalyse. Es ist definiert als der Bank permanent zur Verfügung stehendes und gegenüber allen anderen Gläubigern nachrangiges Kapital, das keinen laufenden Zahlungsverpflichtungen unterliegt.

Ein weiteres Problem der Banken sehen die Moody?s-Analysten in der sich verschlechternden Qualität der Aktiva. "Die privaten Banken stehen zudem unter steigendem Druck, da internationale Investoren ihre Geschäftsmodelle auf Grund der schwachen Ertragslage in Frage stellen", sagte Wassenberg.

Von einer Systemkrise der deutschen Banken könne man aber nicht sprechen, sagen die Analysten. Denn alle Banken - auch die öffentlich-rechtlichen und die kleineren Häuser - hätten Maßnahmen eingeleitet, um ihre Profitablität durch Kostensenkungen zu steigern. Zudem seien das Risikomanagement und die Geschäftsmodelle verbessert worden.

Ähnlich wie die Moody?s-Analysten beurteilt auch Stefan Best von der Ratingagentur Standard&Poor?s (S&P) die Perspektiven der Finanzhäuser für das kommende Jahr. "Die Performance wird weiter schwach sein, eine unmittelbare Liquiditäts- oder Solvenzkrise gibt es aber nicht", sagte er gestern. Auch Moody?s-Analyst Wassenberg sieht keine Anzeichen für einen Liquiditätsengpass. Auch unter so genannten Stress-Szenarios sei genügend Liquidität im Markt verfügbar. Die Commerzbank hatte im Oktober heftig unter Gerüchten gelitten, ihre Liquidität werde knapp. Um die Spekulationen aus der Welt zu räumen, hatte die Bank vorige Woche erstmals und als einzige deutsche Großbank die aufsichtsrechtlichen Liquiditätskennzahlen zusammen mit dem Quartalsergebnis veröffentlicht.

Wie Moody?s sieht auch S&P, dass die Banken ihre Schwächen im operativen Geschäft mit den reduzierten Reserven nicht mehr ausgleichen können. Große externe Risiken sieht Analyst Best zudem in den schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen. "Und die strukturellen Probleme in Deutschland werden weder von Rot-Grün noch von der Opposition angegangen. Wenn von dort keine Wachstumsimpulse kommen, erschwert das die Situation der Banken", sagte der S&P-Analyst. Positiv sieht Best aber, dass die Banken wesentlich aggressiver als früher Maßnahmen ergriffen hätten, um ihre Kosten zu senken.

Im europäischen Vergleich spielen die deutschen Banken nach Ansicht von Sam Theodore, weltweiter Bankenkoordinator bei Moody?s, weiter eine Sonderrolle. "Alle Banken leiden unter zyklischen Problemen. Doch nur die deutschen Häuser haben mit gravierenden strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen", sagte er. In Europa sieht Theodore derzeit mehrere kritische Bereiche: die sinkende Qualität von Kreditportfolios, die Probleme von Versicherungstöchtern der Banken, mögliche Verluste in Lateinamerika und eine sinkende Reputation. "Wer auch unter diesen Rahmenbedingungen ein starker Spieler sein will, braucht eine gute Position im Massenkundengeschäft des Heimatmarktes, einen starken Markennamen, ein verlässliches Risikomanagement, außerdem eine hohe und stabile Ertragskraft", erklärte Theodore die Ergebnisse der Moody?s-Analysen.

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