Moralische Verpflichtung gegenüber Osteuropäern
Kohl kritisiert europapolitischen Vorstoß Schröders

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl hat die Europapolitik seines Nachfolgers Gerhard Schröder kritisiert. Dies brachte er in einer Rede auf einer Veranstaltung des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) am Freitag in Berlin zum Ausdruck.

ap BERLIN. Mit dem SPD-Leitantrag zur Europapolitik soll nach Ansicht von Kohl in der eigenen Partei nur Stimmung gemacht werden. Allerdings sei Schröder noch ein "Newcomer in der Europapolitik", sagte der Ex-Bundeskanzler.

Kohl ist nach eigener Aussage davon überzeugt, dass sich Großbritannien und die Schweiz in sechs bis sieben Jahren der europäischen Währungsunion angeschlossen haben werden. Vor den rund 200 Teilnehmern mahnte er zur Geduld. Vor 20 Jahren wäre auch die heutige Entwicklung der Europäischen Union unvorstellbar erschienen.

Zur geplanten EU-Osterweiterung sagte Kohl, der Gedanke der europäischen Solidarität dürfe nicht diejenigen ausschließen, die auf der Schattenseite der Geschichte unter kommunistischer Diktatur gelebt hätten. Nicht nur die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen hätten schließlich die Wende in Osteuropa herbeigeführt, sondern auch der Freiheitswillen der Osteuropäer. Gerade die Deutschen hätten gegenüber den Osteuropäern eine besondere moralische Verpflichtung, unterstrich der CDU-Politiker.

Vor den unbestreitbaren Schwierigkeiten, denen sich die Europäische Union gegenüber sähe, dürfe man nicht kapitulieren, erklärte Kohl weiter. Ein Umdenken sei gefordert, Eingriffe in die Innen-, Sozial- und Wirtschaftspolitik unumgänglich. Der ehemalige Kanzler forderte Hilfe zur Selbsthilfe für die osteuropäischen Länder. Europakritiker würden häufig unterschlagen, dass der Hauptnutznießer einer Erweiterung die Deutschen seien. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte grenzten an die Bundesrepublik ausschließlich befreundete Staaten.

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