Morgan-Stanley erwartet kräftige Kurserholung
Kursrally auf tönernen Füßen

Die Stimmung am Optionsmarkt spricht für eine Zwischenerholung der Aktienmärkte. Aber die Kurse können ebenso schnell wieder drehen, warnen Experten wie zum Beispiel die größte deutsche Fondsgesellschaft DWS. Wer auf die Erholung wettet, muss schnell reagieren.

HB FRANKFURT/M. Spielt die Börse jetzt völlig verrückt? Vergangene Woche gestand der US-Telekomkonzern Worldcom milliardenschweren Bilanzbetrug - die US-Märkte stiegen trotzdem. Am Freitag kam heraus, dass der Kopierriese Xerox jahrelang die Umsätze fälschte - die Märkte störte das nicht.

Einige Experten sehen darin ein Zeichen, dass die Kurse endlich tief genug gefallen sind. Einige blasen bereits zur nächsten Rally, so Barton Biggs, Chefstratege der US-Bank Morgan Stanley. "In einer Schaukelbörse muss man aggressiv sein, um sein Geld zu verdienen. Deshalb sollten Investoren jetzt einsteigen", meint Biggs.

Langfristig bleibt Biggs indes zurückhaltend, wie viele Experten. So senkte gestern die US-Investmentbank Merrill Lynch ihre Prognosen für Europas Börsen. Den Dow Jones Euro-Stoxx 50-Index sieht Merrill zum Jahresende bei 3400 Punkten - rund acht Prozent über dem aktuellen Stand. Bislang lag das Ziel bei 3800 Punkten.

"Aktien sehen billig aus, aber nicht so billig wie in der Asienkrise 1998 und nach dem Terrorschock im September 2001", sagt Aktienstratege Khuram Chaudhry von Merrill Lynch. Ein klares Kaufsignal liefert derzeit nur das Verhältnis von Kauf- zu Verkaufsoptionen (Grafik). Diese Kennziffer misst, wie viele Investoren an den Optionsmärkten mit Puts auf fallende Kurse spekulieren und wie viele per Call auf höhere Notierungen wetten. "Die Put-Käufe haben in jüngster Zeit stark zugenommen", so Chaudhry. "Das ist ein gutes Zeichen". Denn wer auf fallende Kurse setzt, ist bei positiven Überraschungen gezwungen, seine Position zu schließen. Und das kann schon reichen, um die Börsen höher zu treiben.

Allerdings dreht die Stimmung am Optionsmarkt extrem schnell. Daher sollten nur kurzfristig orientierte Investoren auf das Put-Call-Signal reagieren, rät Chaudhry. Wer mittel- bis langfristig investiert, sollte dagegen vorsichtig agieren, rät Udo Rosendahl vom größten deutschen Fondshaus DWS. "In dieser unsicheren Börsenlage sollte man nicht voll investiert sein", sagt Fondsmanager Rosendahl, der bei der DWS verantwortlich ist für die rund 6 Mrd. Euro schweren europäischen Aktienfonds. Die DWS hält eine hohe Bargeldquote von 9-10 % in ihren Aktienfonds. "Wir erwarten, dass die nahende US-Quartalssaison einige negative Überraschungen bringt und werden unsere Kassenbestände daher vorerst nicht voll anlegen", sagt Rosendahl.

Völlig widersprüchliche Signale liefern unterdessen wichtige Bewertungskennziffern. So ist die Gewinnrendite europäischer Aktien (Gewinn geteilt durch Aktienkurs) zwar höher als die Rendite von Staatsanleihen. Das kommt selten vor und spricht eigentlich für steigende Kurse. Aber: "Diese Kennzahlen beruhen auf den Gewinnprognosen der Analysten, und denen ist nicht zu trauen", sagt James Montier, verantwortlich für die Aktienstrategie der Dresdner-Bank-Tochter Kleinwort Wasserstein. Tatsächlich reduzieren die Analysten seit kurzem ihre Schätzungen. Die aktuellen Schätzungen hält auch Merrill Lynch für überhöht.

Montier benutzt statt Analystenprognosen die Gewinne der vergangenen zwölf Monate. Gemessen daran notiert der Deutsche Aktienindex (Dax) auf einem astronomischen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 78,9. Zum Vergleich: Der langfristige Durchschnitt liegt unter 20. Trotzdem können die Kurse kurzfristig zulegen. Aber wer darauf wettet, sollte bei negativen Überraschungen schnell wieder aussteigen.

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