Morgen beginnt die erste Volleyball-WM in Deutschland
Weiter baggern nach der Flut

Die Überschwemmungen in Sachsen sorgten bei den Organisatoren der WM für hektische Betriebsamkeit. Doch nun kann in acht deutschen Städten das Volleyball-Turnier beginnen.

Seit zwei Jahren arbeiten Helfer und Organisatoren darauf hin, mit der ersten Weltmeisterschaft der Volleyballerinnen in Deutschland ein Event erster Güte zu schaffen. In Sydney bei den Olympischen Spielen hatte Werner von Moltke als Präsident des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) die ersten Verhandlungen geführt, nun ist es so weit. Morgen wird in Münster mit einer einstündigen Feier die WM eröffnet und Bundespräsident Johannes Rau, Innenminister Otto Schily, NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement und die Pop-Band "Bro?Sis" geben sich die Ehre.

Alles läuft gut, meldeten die Macher in der Vorbereitungszeit immer wieder. Doch dann kam das Hochwasser, und alles, was in zwei Jahren mühsam aufgebaut worden war, schien in der Elbe zu ertrinken. Die Spielorte Riesa und Dresden standen unter Wasser, zwar nicht die Spielhallen selbst, aber alles, was für eine funktionierende Infrastruktur notwendig ist. In telefonischen Tag- und Nachtkonferenzen wurde an einem Notfallplan gebastelt. Beim Verteidigungsministerium wurde angefragt, ob nicht Teams und Funktionäre per Transporthubschrauber zu ihren Wirkungsstätten gebracht werden könnten. Ging nicht, die Maschinen werden an anderer Stelle dringender gebraucht. Erst als Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Rossberg entschied, alles für das Gelingen der WM-Vorrundenspiele der Gruppe C tun zu wollen, konnte aufgeatmet werden.

"Es stand zum Glück nie zur Debatte, einen Spielort zu canceln", sagt Jürgen Lamberty, Exekutiv-Direktor des in Frankfurt sitzenden Organisationskomitees (Vonog). "Wir sind froh, den Menschen in der Region mit der WM ein wenig Abwechslung bieten zu können." Allenfalls im VIP-Bereich, so Lamberty, werde es jetzt Abstriche geben. Alles andere könne laufen, wie ursprünglich geplant.

Bei einem Projekt dieser Größenordnung mit 24 Mannschaften bringt solch eine Katastrophe alles durcheinander. Ein Etat von rund 6,5 Millionen Euro ist notwendig, um den hehren Ansprüche des Weltverbandes und auch des DVV-Präsidenten Werner von Moltke gerecht zu werden. Der ehemalige Zehnkämpfer ist in den vergangenen Monaten als Tausendsassa unterwegs gewesen, hat alte Freunde in der Politik, bei Sponsoren und sogar Showstars mobilisiert. "Der Präsident war unser door opener", sagt Jürgen Lamberty. Nun wird der Bundespräsident als Schirmherr die Eröffnungsrede halten und Bundeskanzler Gerhard Schröder ehrt am 15. September nach dem Endspiel in der Berliner Max-Schmeling-Halle die Weltmeisterinnen 2002 - musikalisch umrahmt von den "No Angels".

Die Riege der Sponsoren kann sich mit Credit Suisse, Intersport, Mercedes-Benz, Asics, Saeco, Mikasa, Mondo, und TV Movie zwar sehen lassen, trotzdem erwartet von Moltke keinen finanziellen Gewinn für seinen Verband. "Aber auch keinen Verlust", darauf legt der Präsident großen Wert und daran wird er sich auch messen lassen müssen.

Eine der wichtigsten Säulen beim WM-Finanzierungsplan sind die Ausrichterstädte, die sich trotz leerer Kassen schwer ins Zeug legen. Die erhoffen sich nun einen hohen Zuschauerzuspruch. "Das ist die einzige Einnahmequelle", erklärt Lamberty. Mindestens 100 000 Zuschauer wollen sie in die Halle locken. In Münster gibt es an den fünf Spieltagen insgesamt gut 25 000 Karten. Schon jetzt sind drei Tage restlos ausverkauft.

Der Vorverkauf lief gut, nicht zuletzt, weil die deutsche Mannschaft mit guten Ergebnissen bei der Grand-Prix-Serie des Weltverbandes unerwartete Eigenwerbung betrieb. Mit Platz drei hinter den WM-Favoriten Russland und China kamen die Spielerinnen aus Asien zurück und weckten damit Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden bei der WM. Von Moltke träumt von einer Halbfinalteilnahme und hat auch schon Medaillenwünsche kundgetan. Bundestrainer Hee Wan Lee hat als Ziel einen Platz unter den ersten acht ausgegeben. "Auf jeden Fall will ich nach Berlin", sagt der gebürtige Koreaner. Dort werden die Plätze eins bis acht - also auch die Platzierungsspiele um die Ränge fünf bis acht - ausgespielt.

Lamberty hat als Geschäftsmann und Cheforganisator andere Ziele vor Augen: "Wir möchten mit der Weltmeisterschaft beweisen, dass es sich für Sponsoren lohnt, sich mit relativ niedrigen Investitionen an einem Top-Event zu beteiligen." Summen nennt er nicht, "aber es sind keine wie bei Fußball, Motorsport oder ähnlichem".

Lange Zeit hatten sich die Macher schwer getan, die größten Finanzlöcher zu schließen. Die Düsseldorfer Agentur Zimmermann hatte vom Weltverband der Volleyballer (FIVB) in Lausanne die Vermarktungsrechte erst im Herbst 2001 erworben. Agenturchef Manfred Zimmermann hatte trotz des späten Zeitpunktes keine Scheu davor, sich auf das Abenteuer Weltmeisterschaft einzulassen. Wenn jetzt die Mannschaft ihre sportliche Pflicht erfüllt, dann wird das Turnier ein Event allererster Güte, verspricht Jürgen Lamberty.

Das wäre eine gute Voraussetzung für die kommenden Aufgaben, denn die sind ähnlich schwer zu bewältigen. Im nächsten Jahr steht mit der Ausrichtung der EM der Männer bereits das nächste Großprojekt an. 2004 sollen alle deutschen Hallen- und Beach-Volleyball-Nationalteams bei den Olympischen Spielen in Athen vertreten sein. Zudem bewirbt sich der Verband um die Austragung der WM der Beach-Volleyballer im Jahr 2005.

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