Moritz Hunzinger I
Sein größtes Verdienst ist, dass er ein fest gefügtes Feindbild erhält

Zitat: "PR- und IR-Unternehmer, das sind welche, die in allen Suppentöpfen rühren, irgendwo im Grauen agieren und eigentlich nur eines wirklich können: Rechnungen schreiben."

HB FRANKFURT. Gäbe es Moritz Hunzinger nicht, man müsste ihn erfinden. Geradezu meisterlich hat er all jene Tricks zu einem lange Zeit funktionierenden System verknüpft, die sich Generationen gewiefter Public-Relations-Unternehmer ausgedacht hatten, um möglichst vielseitige Geschäfte zu betreiben, Geschäfte natürlich, bei denen jede einzelne der vielen Seiten hohe Gewinne abwirft.

Die Leistung, gleichzeitig PR- und Investor-Relations-Mann in Unternehmens- wie in Politikerdiensten, Lobbyist, Geschäftevermittler, Kongressorganisator, Aufsichtsrat, Industrieunternehmer und Modeberater (um nur einen Ausschnitt aus den vielen Begabungen des Herrn H. aus F. zu nennen) ist in höchstem Maße anzuerkennen. Noch bewundernswerter ist die Fähigkeit, zwischen all den unterschiedlichen Bühnen - vom parlamentarischen Abend im Hunzingerschen Hausgarten bis zur drögen Bilanzpressekonferenz - die Fäden fest in der Hand zu behalten.

Und nicht nur das: Das Geschick, mit dem Hunzinger den Politiker und den Unternehmer, den Journalisten und den Politiker, den Unternehmer und den Journalisten und sogar den Unternehmer und den Unternehmer zusammenzubringen versteht, scheint unübertrefflich. Das umso mehr, als wohl keine dieser vermittelnden Handreichungen wirkungslos an der Firmenkasse vorbeigeht. Besonders wirkungsvoll, so wird kolportiert, seien die Treffen von Unternehmern untereinander, von denen nicht selten Impulse zu größeren und provisionspflichtigen Deals ausgingen.

Dass dabei Leistung und Gegenleistung irgendwie im Gleichgewicht bleiben sollten, ist ein durchaus ehrenwerter Grundsatz. Der deutsche Durchschnittsunternehmer fühlt sich schon reich beschenkt, wenn er einmal einem wirklich gewichtigen Politiker ("Mein Freund Bangemann . . .) von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen darf. Der Politiker bekommt seine Modeberatung und kleine Einkaufshilfen, der Journalist darf gegen entsprechendes Honorar das eine oder andere Kolloquium auf ein höheres Niveau hieven - alles völlig legal und nicht angreifbar. Hunzinger bringt in allen Fällen nur Angebot und Nachfrage zusammen, sorgt mithin durchaus verdienstvoll dafür, dass der Markt funktioniert.

Sein größtes Verdienst aber ist ein ganz anderes: Er erhält dem Journalisten sein fest gefügtes Feindbild. PR-Unternehmer und ihre Artgenossen von den Investor Relations, das sind welche, die in allen Suppentöpfen rühren, irgendwo im Grauen agieren, die höchst opportunistisch jedes zahlenden Kunden Lied singen und eigentlich nur eines wirklich können: Rechnungen schreiben. Hunzinger sei Dank - kein deutscher Journalist muss in der nächsten Zeit an diesen Grundfesten seiner Überzeugung rütteln.

Kleiner Nachtrag: Selbst im temporären Elend hat der verkannte Jonglier-Künstler noch etwas Gutes bewirkt. Vielen Unternehmen, die bislang widerspruchslos auf der Kundenliste im Geschäftsbericht der Hunzinger standen, ist quasi über Nacht die Nähe von Public und Investor Relations klar geworden. Etliche dementierten ihr Kundenverhältnis, andere kündigten flugs Beratungsverträge, um Image- und Kursschäden von sich selbst und ihren Aktionären fern zu halten. Damit ist bewiesen, dass sogar in diesem Geschäft der Markt irgendwann funktioniert - Hunzinger sei Dank!

Joachim Weber ist Leiter des Ressorts Unternehmen und Märkte in der Frankfurter Handelsblatt-Redaktion.

Quelle: Handelsblatt

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