Moritz Hunzinger II
Wir feilen an Voraussetzungen für Public Affairs-Berater

Zitat: "Seine Mitgliedschaft in der Public Relations Gesellschaft ruht zur Zeit - in Unfrieden. So viel ist klar: Wir müssen selbst mehr als bisher tun, um die Arbeitsweise deutlicher zu machen."

HB BONN. Spätestens seitdem der Sturz eines Verteidigungsministers und der Rücktritt eines prominenten Bundestagsabgeordneten mit seinem Namen in Verbindung gebracht wurde, ist Moritz Hunzinger der breiten Öffentlichkeit bekannt geworden. In Gazetten und Talk-Shows wird er als der bekannteste Vertreter der PR-Zunft zitiert. Seine Praktiken werden als repräsentativ für die Branche dargestellt. Damit aber segelt Moritz Hunzinger eindeutig unter falscher Flagge, denn PR ist das nicht.

Die genannten Fälle wecken unzulässigerweise den Eindruck, als sei es zum Beispiel möglich und üblich, das Interesse der Öffentlichkeit zu kaufen, statt, wie die meisten der gut 20 000 in den verschiedensten Bereichen der PR Arbeitenden es Tag für Tag tun, es Stück für Stück durch vertrauensbildende, klar nachvollziehbare und auf die Kraft der Argumente basierende Tätigkeit zu erarbeiten. Deswegen heißt PR auf gut Deutsch ja auch Öffentlichkeitsarbeit!

Als Branche von Spezialisten, die im Regelfall kaum in der breiten Öffentlichkeit in Erscheinung treten, tun wir uns mit dem "Fall Hunzinger" natürlich schwer. Bislang galt er vielen als zwar schillernde, aber doch für den Berufs-stand tragbare, weil in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit beanspruchende Ausnahmeerscheinung. Und Ausnahme ist Moritz Hunzinger in verschiedener Hinsicht nach wie vor, denn kaum einer kann in der Kommunikationsbranche einen" track record" vorweisen, der von Null bis an die Spitze eines börsennotierten Unternehmens reicht.

In diesem Unternehmen sind allerdings neben klassischen PR-Leistungen überwiegend Aktivitäten angesiedelt, die mit PR nur wenig gemein haben. Auch deswegen segelt Hunzinger unter falscher Flagge, wenn er sich als PR-Unternehmer darstellen lässt. Deswegen sollte er sein Geschäftsmodell überarbeiten und die unterschiedlichen Aktivitäten wie Beziehungsmaklertum und Auftragskommunikation klar voneinander trennen.

Er muss aber nicht nur seine Geschäfte ordnen, sondern dringend auch sein Beziehungsmodell zu Branchenkollegen in Ordnung bringen. Würde seine tadellose Kleiderordnung auch nur annähernd ihre Entsprechung im Sprachduktus und im Verhältnis zu den PR-Kollegen finden, würde es wohl kaum die derzeit überall nahezu konditionierten Abstoßungsreflexe geben, auf die er in der Profi-Zunft trifft. Was seine verbalen Rundumschläge in der Branche angeht, verhält sich Moritz Hunzinger derzeit wie ein Börsenspekulant, nach dem Motto "If you are in trouble: double!"

Seine Mitgliedschaft in der Deutschen Public Relations Gesellschaft ruht derzeit, allerdings in Unfrieden. Nachdem der Deutsche Rat für Public Relations eine Rüge ausgesprochen hat, wird der Deutsche Ehrenrat in Kürze über die Mitgliedschaft endgültig befinden. So viel aber ist jetzt schon klar. Wir müssen selbst mehr als bisher tun, die Arbeitsweisen von PR und Public Affairs durch verbesserte Transparenz unserer Tätigkeit deutlicher zu machen, um nicht mehr so leicht mit Piraten, die unter falscher Flagge segeln, verwechselt zu werden.

Deswegen soll eine Expertengruppe "Best-Practice"-Beispiele als Leitlinie für Agenturen und Auftraggeber erarbeiten. Darüber hinaus werden wir zusammen mit dem Bundestag Zulassungsvoraussetzungen für Public Affairs-Berater formulieren, denn auch hier dient mehr Transparenz der Sache, wie ausländische Beispiele zeigen. Ferner wird sich der nächste PR-Tag am 23. Mai 2003 in Berlin ausführlich mit dieser Thematik auseinandersetzen. Wir wollen hierbei die Beziehungen zwischen Public Relations und der Res Publi-ca darstellen - also die Verantwortung der Öffentlichkeitsarbeit in einem pluralistisch-demokratisch konstitutierten und medial kontrollierten Gemeinwesen. Diesen herausragenden Beitrag kann unsere Profession allerdings nur leisten, wenn wir selber eindeutig Flagge zeigen und klaren Kurs bewahren.

Jürgen Pitzer ist Präsident der DPRG Deutsche Public Relations Gesellschaft e.V. in Bonn.

Quelle: Handelsblatt

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