Morten Olsen und Guus Hiddink
Zwei für die Offensive

Morten Olsen und Guus Hiddink sind die Favoriten auf den Posten des Bundestrainers - beide lieben Angriffsfußball.
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BERLIN. Seine Begeisterung für den Offensivfußball ist mit dem Begriff Obsession nur unzureichend beschrieben. Morten Olsen fand es einst "fantastisch", dass ein Trainerkollege trotz Erfolgs entlassen wurde, weil der auf unattraktiven Defensivfußball gesetzt hatte. Selbst der niederländische Rekordmeister Ajax Amsterdam, bei dem das schöne Spiel fast noch wichtiger ist als das Ergebnis, hatte 1999 nach zweieinhalb Jahren genug von Olsens Manie und wollte lieber wieder ein bisschen öfter gewinnen.

Der Däne Olsen ist neben dem Holländer Guus Hiddink der Favorit auf den Job als Bundestrainer. Ist Olsen der richtige Trainer für die deutsche Mannschaft, für die bei der WM 2006 im eigenen Land vor allem der Erfolg zählt? Durchaus. Die Nickelbrille, die er manchmal trägt, sollte nicht über die knallharte Auffassung des derzeitigen dänischen Nationaltrainers vom Begriff Disziplin hinwegtäuschen. Das Ansinnen eines Spielers nach einem freien Tag quittierte er als Coach des 1. FC Köln Anfang der Neunzigerjahre mit folgendem Satz: "Da können wir uns nicht verbessern."

Zu den Wesenszügen des 53-Jährigen gehört es, nie selbstzufrieden zu sein. Schon zu Olsens Zeit als Spieler beim 1. FC Köln war dem früheren Nationaltorhüter Bodo Illgner klar, "dass er ein großer Trainer wird". Tatsächlich übernahm er die Mannschaft wenig später und rettete sie aus schier aussichtsloser Position noch vor dem Abstieg. Wie auch Guus Hiddink hält es Olsen für die wichtigste Eigenschaft eines Trainers, immer ehrlich zu sein.

Für Dänemarks Nationalspieler Stig Töfting ist Olsen ein Trainer, "der alles weiß. Er hat großen Anteil daran, dass wir bei der EM in Portugal ins Viertelfinale gekommen sind". Doch die Methoden des einstigen Weltklasseverteidigers scheinen einer gewissen Halbwertszeit zu unterliegen. Auch in Köln wurde Olsen nach zweieinhalb Jahren entlassen, ein Däne beschwerte sich einmal: "Er redet nur über Fußball und immer wieder über Fußball. Das nervt unheimlich." Olsen lässt sich davon nicht beeindrucken. Er sieht es als reizvolle Aufgabe an, die Deutschen bei der WM 2006 zu betreuen. Das klingt schon mal gut. Und dann sagt er noch: "Es reicht nicht zu gewinnen. Ich will auch was fürs Auge bieten." Das klingt noch besser.

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