Mosel prüft rechtliche Schritte
Infineon wirft Taiwan-Partner Vertragsbruch vor

Der Halbleiter-Hersteller Infineon wirft seinem langjährigen taiwanesischen Partner Mosel Vitelic Vertragsbruch vor.

Reuters MÜNCHEN. Das Münchner Unternehmen kündigte am Freitag eine Aktionärsvereinbarung der beiden Firmen für ihr Gemeinschaftsunternehmen ProMos auf. "Infineon sah sich aufgrund wiederholter und schwerwiegender Vertragsbrüche durch Mosel Vitelic, die Infineon mehrfach und erfolglos beanstandet hatte, zu diesem Schritt gezwungen", teilte Infineon mit. Infineon beziehe bei ProMos etwa zehn bis 15 % seiner gesamten Kapazität an DRAM-Speicherchips, sagte eine Firmensprecherin.

Welche Vertragsbrüche Infineon Mosel vorwirft, wollte die Sprecherin nicht sagen. Analysten vermuteten Mosels angespannte Finanzlage oder Lizenzschwierigkeiten als Grund für den Streit. Mosel kämpft mit Verlusten und muss im kommenden Jahr in hohem Umfang Schulden tilgen. Erst im September hatte das Unternehmen einen Medienbericht widersprochen, es müsse ProMos-Aktien verkaufen, um seine Schulden bedienen zu können.

Am Gemeinschaftsunternehmen ProMos will Infineon trotz der Konfrontation mit Mosel festhalten: Infineon will ProMos-Aktionär bleiben und ein neues Lieferabkommen mit dem taiwanesischen Hersteller schließen, der seine Speicherelemente derzeit aufgrund eines Lizenzabkommens mit Infineon fertigt.

Mosel hatte am Morgen mitgeteilt, Infineon habe das Abkommen einseitig aufgekündigt. "Infineon hat seine eigenen Ansichten, und die unterscheiden sich stark von denen von Mosel", sagte ProMos-Vizepräsident Albert Lin in Taipeh. Mosel prüfe nun, ob der Schritt von Infineon überhaupt legal sei.

ProMos produziert DRAM-Speicherchips, wie sie vor allem in PCs verwendet werden. Nach dem bisherigen Abkommen wurden 48 % der ProMos-Fertigungsmenge von Infineon übernommen, der Rest ging an Mosel. Beide Firmen sind Großaktionäre der börsennotierten ProMos.

Zuletzt hatte sich Infineon in Abkommen mit anderen taiwanesischen Halbleiter-Herstellern zusätzliche Produktionskapazität gesichert. Zu Infineons Partnern gehören die taiwanesischen Firmen Winbond Electronics und Nanya Technologies.

Die Aktie von Infineon notierte an der Frankfurter Börse 4,6 % leichter mit 5,90 ?, Mosel hatte an der Börse Taiwan vor der Mitteilung über ProMos 2,26 % fester geschlossen.

ProMos wurde 1996 gegründet. Damals war die heutige Infineon Technologies AG noch Teil der Siemens AG. Ein Analyst sagte, eine Partnerschaft wie von Infineon und Mosel sei nicht leicht aufzulösen: "Wenn man tatsächlich eine gemeinsame Fabrik hat, ist das wie eine Ehe mit Kindern."

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