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Moskau droht Präventivschläge im Terrorkampf an

Nach der beispiellosen Gewaltserie in Russland mit mehr als 450 Toten hat die Militärführung des Landes weltweite Vernichtungsschläge gegen Stützpunkte von Terroristen angedroht.

dpa MOSKAU. Nach der beispiellosen Gewaltserie in Russland mit mehr als 450 Toten hat die Militärführung des Landes weltweite Vernichtungsschläge gegen Stützpunkte von Terroristen angedroht.

Gleichzeitig setzte der Inlandsgeheimdienst FSB am Mittwoch ein Kopfgeld für die vom Kreml verdächtigten Drahtzieher des Geiseldramas von Beslan aus. Für Informationen, die zur Ergreifung des früheren tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow sowie des Topterroristen Schamil Bassajew führen, sollen 300 Mill. Rubel (8,5 Mill. ?) gezahlt werden. Der Kreml macht die Beiden seit Jahren für alle großen Terroranschläge in Russland verantwortlich.

Generalstabschef Juri Balujewski sagte nach einem Treffen mit Nato-Oberbefehlshaber James Jones in Moskau: "Was Präventivschläge gegen Terroristenlager angeht, so werden wir alles unternehmen, um diese in jeder beliebigen Region der Erde zu zerstören. Das bedeutet aber nicht, dass wir mit Atomwaffen angreifen."

Präsident Wladimir Putin hatte nach der Geiseltragödie in Beslan mit offiziell 335 Toten in seiner Fernsehansprache gesagt, der "internationale Terrorismus" habe Russland den Krieg erklärt. Konkrete Präventivschläge gegen Ziele weltweit erwähnte Putin dabei nicht. Das Geiseldrama im südrussischen Beslan war der dritte Terroranschlag im Land in acht Tagen. Am 31. August gab es bei einem Selbstmordanschlag in Moskau zehn Tote. Eine Woche zuvor kamen bei Terroranschlägen auf zwei Flugzeuge 90 Menschen getötet worden. Die Bilanz von Beslan: 335 Todesopfer plus 31 getötete Terroristen.

Auch am fünften Tag nach der gewaltsamen Beendigung der Geiselnahme suchten Angehörige in der Kleinstadt noch immer nach 157 vermissten Opfern, darunter vielen Kindern. Nach offiziellen Angaben sind 107 der Leichen bislang nicht identifiziert. Der russische Fernsehsender NTW zeigte am Dienstagabend Aufnahmen aus der Turnhalle, die einer der Terroristen offensichtlich am ersten Tag der Geiselnahme mit einer Videokamera aufgenommen hatte. Zu sehen waren maskierte Männer, die Sprengsätze zwischen den zusammengepferchten Geiseln legten.

Westliche Militärs in Moskau bezeichneten die Äußerungen von Generalstabschef Balujewski als "finstere Drohung", die in dieser Form noch nicht von den russischen Militärs geäußert worden sei. Bei aller Notwendigkeit, den Terrorismus zu bekämpfen, gerate das Völkerrecht durch solche Ankündigungen zunehmend in Gefahr, hieß es.

Russlands ehemaliger Chef-Militärdiplomat, Generaloberst Leonid Iwaschow, kritisierte die Ankündigung als "eine weitere leere Drohung". Die russischen Streitkräfte mit ihrer veralteten Militärtechnik seien selbst im eigenen Land nicht in der Lage, die Rebellenführung in Tschetschenien auszuschalten, sagte Iwaschow.

Der Präsident der Teilrepublik Nordossetien, Alexander Dsasochow, kündigte bei einem Treffen mit der Opposition in Wladikawkas an, seine Regierung komplett auszutauschen. Als bislang einziger Politiker in Russland war der nordossetische Innenminister Kasbek Dsantijew als Reaktion auf das Blutbad in Beslan zurückgetreten.

Russische Medien berichteten am Mittwoch, Anführer der Geiselnehmer sei ein ehemaliger Polizist aus der benachbarten Teilrepublik Inguschetien mit dem Tarnnamen Magas. Die Behörden waren bislang davon ausgegangen, dass der Polizist 1998 in Inguschetien bei der Erfüllung seiner Dienstpflicht einen "Heldentod" gestorben war.

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