Moskau erkennt Washingtoner Bedrohungsanalyse teilweise an
US-Verteidigungspläne stoßen in Russland auf Ablehnung

Die Vereinigten Staaten sind mit ihren Plänen für eine neue Verteidigungsstategie bei der russischen Regierung am Freitag überwiegend auf Ablehnung gestoßen.

afp MOSKAU. Im Anschluss des Besuchs einer hochrangigen US-Delegation unter Leitung des stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz sagte ein Sprecher des Moskauer Außenministeriums, zahlreiche Fragen seien unbeantwortet geblieben. Offenbar seien von US-Seite nicht die geeigneten Argumente vorgetragen worden. Der stellvertretende Sicherheitsberater von US-Präsident George W. Bush, Stephen Hadley, wertete die Gespräche dennoch als "Zeichen des Fortschritts". Der Chef der russischen Raumfahrtbehörde, Juri Koptew, äußerte Verständnis für Teile der US-Bedrohungsanalyse. Außenminister Igor Iwanow regte dagegen erneut eine "europäische Sicherheitsarchitektur" an.

Außenamtssprecher Alexander Jakowenko sagte, die US-Delegation habe nicht überzeugend darlegen können, warum die USA den ABM-Vertrag von 1972 zur Begrenzung der Raketenabwehr aufkündigen wollten. Hadley würdigte dagegen die «guten und substanziellen Diskussionen» und wertete sie als «ersten Schritt in einem Beratungsprozess». Weitere Gespräche über die Verteidigungsstrategie sollten unter anderem zwischen Bush und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin geführt werden. Die beiden Staatschefs treffen sich voraussichtlich am Rande des G-8-Gipfels Ende Juli in Genua.

Koptew räumte vor Journalisten ein, auch Moskau sehe die Gefahr einer "unkontrollierten Verbreitung von Raketen". Dennoch wolle es sich nicht an dem von den USA geplanten und auch in der EU umstrittenen Schutzschild beteiligen. Die russische Delegation bei den Gesprächen in Moskau wurde vom ersten stellvertretenden Außenminister Wjatscheslaw Trubnikow geleitet. Am Mittwochabend hatte Wolfowitz das umstrittene Raketenschutzschild-Projekt fünf Stunden lang Vertretern der Bundesregierung in Berlin vorgestellt. Die russische Regierung lehnt die neuen Verteidigungspläne der USA und insbesondere das geplante Raketenabwehrsystem entschieden ab. Bush rechtfertigt den Plan mit der Notwendigkeit, sich potenziellen Angriffe aus sogenannten "Besorgnis erregenden Staaten" wie Nordkorea, Irak oder Iran schützen zu müssen.

Auch europäische und andere Staaten einbeziehen

In Helsinki sagte Außenminister Iwanow, die von den USA angestrebte Verteidigungsstrategie sei keineswegs nur Sache Moskaus und Washingtons. Auch europäische und andere Staaten müssten in die Diskussion einbezogen werden. Er regte erneut eine europäische Sicherheitsarchitektur für das 21. Jahrhundert an, die auf "Vertrauen und Kooperation" basieren müsse.

Nach dem Treffen einer US-Delegation mit dem türkischen Außenminister Ismail Cem und Ministerpräsident Bülent Ecevit in Ankara sagten türkische Diplomaten, die Regierung teile die strategischen Sorgen Washingtons. Fraglich sei jedoch, ob ein Abwehrschild notwendig sei. In Neu Delhi begrüßte Premierminister Atal Behari Vajpayee vor einem Treffen mit US-Vizeaußenminister Richard Armitage Diskussionen über "bestehende Vereinbarungen", die letztlich zu einem "neuen globalen Sicherheitsrahmen" führen sollten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%