Moskau verweigert Lufthansa Start am Morgen
Aeroflot kämpft um lukratives Deutschland-Geschäft

"Deutschland und Russland stehen am Rande eines Luftkrieges". Mit so deftiger Wortwahl beschreibt das Moskauer Wirtschaftsblatt "Kommersant" den sich zuspitzenden Konflikt um Landerechte in Moskau und München.

mbr MOSKAU. Die Deutschen lassen die größte russische Fluggesellschaft, Aeroflot, abends nicht mehr in der Bayern-Metropole landen. Die Deutschen halten das für eine legitime Retourkutsche. Denn die Lufthansa darf über Nacht nicht mehr auf dem Großflughafen Scheremetjewo in der russischen Hauptstadt bleiben, um morgens als erster gen Westen durch zu starten.

Dennoch lässt sich in diesem bizarren Streit, bei dem sich natürlich beide Lager die Schuld geben, nicht sagen, wer Henne und wer Ei ist. Der stellvertretende russische Verkehrsminister Pawel Roschkow jedenfalls beharrt darauf, dass es weltweit üblich sei, dass die Heimat-Airline von ihrem Drehkreuz den ersten Morgenflug bekomme und damit die gut zahlenden Geschäftsreisenden an Bord. Und so ist der Lufthansa der Morgenflug aus Moskau - der ein Parken der Maschine in Russland erfordert - streitig gemacht worden. Im Gegenzug darf Aeroflot jetzt nicht mehr sieben Mal die Woche abends in München landen. Tagsüber hingegen schon. Das haben die deutschen Behörden verfügt, nachdem die russische Flugaufsicht alle Bitten um klärende Gespräche ablehnten.

Die deutschen Behörden sehen sich natürlich im Recht. Berlin sei Moskau ohnehin weit entgegen gekommen, als es als erstes Land der EU Ausnahmen beim Landeverbot zu lauter russischer Maschinen gestattet habe, heißt es.

Bei dem Streit, der durch die allgemein schwierige Lage der Airlines weltweit noch verschärft wird, geht es im Kern um viel Geld, schließlich ist Deutschland Hauptziel von Aeroflot-Maschinen. Mehr als 100 000 $ entgingen der russischen Staatslinie durch Passagiere, die die nun gestrichenen München-Abendflüge bereits gebucht hatten.

Der Streit um die Landerechte kommt für die Fluggesellschaften eigentlich zur Unzeit. Denn im deutsch-russischen Flugverkehr ist trotz der Flaute nach dem 11. September viel los. Lufthansa bietet 71 Flüge wöchentlich in sieben russische Städte an, Aeroflot wiederum fliegt fünf deutsche Metropolen 70 Mal pro Woche an. Zwar hat die Lufthansa die Zahl ihrer Moskau-Flüge von sieben auf fünf täglich reduziert, doch soll dies jetzt wieder rückgängig gemacht werden. Denn die Russen sind nach dem 11. September nicht nur in diese Lücke gestoßen, sie bieten inzwischen 12 bis 18 Flüge mehr in der Woche nach und von Deutschland als die deutsche Konkurrenz. Davon hat Aeroflot stark profitiert: allein Frankfurt wird 18 Mal die Woche bedient, 664 148 Passagiere transportierten die Moskauer im vorigen Jahr zwischen beiden Ländern. Und vor allem: Die Deutschland-Routen sind Aeroflots lukrativste.

Quelle: Handelsblatt

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