Moskau wirbt um Vertrauen bei internationalen Anlegern: Russland kehrt an die Kapitalmärkte zurück

Moskau wirbt um Vertrauen bei internationalen Anlegern
Russland kehrt an die Kapitalmärkte zurück

Russland wird im April oder Mai dieses Jahres erstmals seit dem Zusammenbruch seiner Finanzmärkte im August 1998 eine Anleihe über 2 Mrd. $ an den internationalen Kapitalmärkten auflegen. Das kündigte der stellvertretende Finanzminister Sergej Kolotuchin jetzt in den USA an, wo Russland verstärkt Investoren für das Land sucht.

mbr/ret MOSKAU/FRANKFURT/M. Mit diesen 2 Mrd. $ will Moskau seine so genannten "kommerziellen" Schulden begleichen, die noch von den Außenhandelsorganisationen aus alten Sowjetzeiten stammen. Bis Ende Juli 2002 soll ein zweiter Eurobond einen Betrag von nochmals bis zu 2,5 Mrd. $ in die Kassen des Kreml spülen. Nach Angaben von Finanzminister Alexej Kudrin beschloss die Regierung am Donnerstag, in diesem Jahr Anleihen über 165 Mrd. Rubel (5,4 Mrd. $) zu emittieren.

Moskau hat die Begebung neuer Eurobonds in jüngster Zeit hinausgezögert und auf fallende Zinsen gewartet. Diese zögernde Haltung war auf Grund der bemerkenswerten Haushaltsüberschüsse möglich geworden. Durch die zuletzt deutliche Verbesserung des russischen Kreditratings scheint Moskau der Zeitpunkt für die Auflegung neuer Anleihen nun gekommen zu sein. Die Ratingagenturen hatten die Verbindlichkeiten Moskaus kräftig nach oben gestuft. Durch das bessere Standing sind die Zinsaufschläge von Russland-Bonds gegenüber US-Staatsanleihen stark zurückgegangen.

Ungeachtet des geringeren Rendite-Spreads warten internationale Anleger bereits begehrlich auf die neuen Russen-Anleihen, wie Fondsmanager westlicher Gesellschaften in Moskau erklärten. Die Nachfrage sei groß, die Liquidität der verfügbaren russischen Papiere zu gering. Auf Investments in den Emerging Markets konzentrierte Anleger ziehe es gerade nach der Krise in Argentinien immer stärker nach Russland, heißt es in Moskau.

"Das Umfeld für die Begebung von Russland-Anleihen ist derzeit sehr gut", sagen Janis Hübner von der DZ Bank und Jens Schmitt von JP Morgan Fleming in Frankfurt. Russlands verfüge auch durch das Auftreten seines Präsidenten Vladimir Putin in der globalen Investorenszene über eine sehr gute Reputation. Ob sich Moskau in US-Dollar oder Euro verschulde, hänge wohl maßgeblich vom Käuferinteresse an den jeweiligen Finanzplätzen ab.

"Das Timing für eine Finanzierung in Dollar ist wegen der Möglichkeit rasch wieder steigender US-Zinsen derzeit besser", sagt Hübner. Demgegenüber geht Jens Schmitt davon aus, dass Emittenten aus Osteuropa bei ihren Anleiheplänen allgemein eher auf den Euro setzen werden.

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