Moskau zeigt Sammlung: Bremer Kunsthalle beschließt Schenkung

Moskau zeigt Sammlung
Bremer Kunsthalle beschließt Schenkung

Die Bremer Kunsthalle wird nach Rückkehr der Baldin-Sammlung aus Russland 20 Werke der Eremitage in St. Petersburg schenken. "Wir haben beschlossen, eine große Geste einer Schenkung zu machen", sagte der Direktor der Kunsthalle, Prof. Wulf Herzogenrath, am Mittwoch.

HB/dpa BREMEN/MOSKAU. Eine Mitgliederversammlung des Kunstvereins habe dies am Vorabend einstimmig bei zwei Enthaltungen angenommen. Es sei die "bestmögliche Lösung", die bereits vor "vielen Monaten mit dem Direktor der Eremitage besprochen worden ist". Herzogenrath geht davon aus, dass die Rückgabe der 364 Zeichnungen, Aquarelle und Bilder und die anschließende Schenkung bis zur 300-Jahr-Feier von St. Petersburg im Mai vollzogen ist. Russlands Kulturminister Michail Schwydkoi wollte die Justizbehörden in Moskau zum Einlenken bewegen.

Unterdessen wurde in Moskau offiziell bestätigt, dass die ursprünglich für diesen Samstag zur Rückkehr nach Bremen vorgesehene Baldin-Kunstsammlung auf Anordnung des russischen Kulturministeriums jetzt erstmals in einem Moskauer Museum gezeigt wird. "Wir werden Teile oder vielleicht sogar die gesamte Sammlung ab dem 29. März für zwei Wochen ausstellen", sagte der Direktor des Schtschussew- Architekturmuseums, David Sarkisjan, am Mittwoch.

Die russische Justiz hatte in der Vorwoche die bislang wichtigste Rückgabe von so genannter Beutekunst an Deutschland wegen angeblicher Rechtsverstöße vorerst verboten. Nach Widerständen von kommunistischen Abgeordneten in der Duma hatte die Generalstaatsanwaltschaft in Moskau die Rückgabe gestoppt. Es läge von deutscher Seite kein Beweis über den Anspruch auf die Kunstwerke vor. Der russische Kulturminister Michail Schwydkoi kündigte am Mittwoch an, er wolle die Staatsanwaltschaft zum Einlenken bewegen und davon überzeugen, dass für die Rückgabe der Sammlung "sowohl alle juristischen als auch moralischen Grundlagen" vorhanden seien. "Ich möchte das Ganze nicht dramatisieren, aber ich möchte auch nicht, dass die einen Medien das Kulturministerium dämonisieren und die anderen die Generalstaatsanwaltschaft."

Demgegenüber meinte Herzogenrath, dass die Rechtslage klar und "der politische Wille" zur Rückgabe vorhanden sei. Es sei auch alles mit Präsident Wladimir Putin abgesprochen. Trotz des Einspruchs der russischen Justiz erwartet auch der Bremer Beutekunst-Experte Prof. Wolfgang Eichwede eine Rückgabe. Während die Auseinandersetzung der Duma mit Schwydkoi "primär eine Machtfrage" sei, beruhe das Veto des Generalstaatsanwaltes gegen die Rückgabe-Absicht des Ministers "primär auf einer Informationsfrage". Dies betonte der Direktor der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen am Mittwoch.

Die russische Justiz müsse nun "mit weiteren Unterlagen versorgt werden, die lückenlos das Bremer Eigentum und die Rechtmäßigkeit der Ansichten des Kulturministers dokumentieren", sagte Eichwede: "Und das machen wir derzeit." Nach seiner Einschätzung kämpfe der russische Kulturminister in dieser Sache "sehr überzeugend". Minister Schwydkoi sei "fest überzeugt, dass die Sammlung mit russischen Recht nach Bremen zurückgegeben werden kann und soll".

Der Bremer Kunstverein als ursprünglicher Eigentümer hatte am Dienstagabend auf seiner Mitgliederversammlung beschlossen, im Falle der Rückgabe 19 Zeichnungen und ein Goya-Gemälde "als Dank an Russland" für die Rettung und Bewahrung des Kunstschatzes an die Petersburger Eremitage zu schenken. Der sowjetische Hauptmann Viktor Baldin hatte zu Kriegsende auf eigene Faust 364 Altmeister- Zeichnungen und Gemälde nach Moskau gebracht. Zu den herausragenden Arbeiten gehören die Dürer-Zeichnung "Schmerzensmann" (1522) sowie Blätter von Caspar David Friedrich, Tizian, Rembrandt und Auguste Rodin.

Die Präsentation im Moskauer Architekturmuseum ist nach Darstellung Eichwedes Teil einer Ausstellung zu Leben und Werk von Baldin, der sich bis zum seinem Tod 1997 für eine Rückgabe der Bremer Kunstwerke eingesetzt hatte. Die seit 1990 in der Eremitage bewahrten Stücke hatte Baldin zuvor in dem von ihm geleiteten Architekturmuseum gelagert.

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