Moskauer Börse auf höchstem Stand seit vier Jahren
Analysten sehen noch Chancen in Osteuropa

Die so genannten Emerging Markets, Schwellenländer, werden von einer Erholung der Weltwirtschaft profitieren. Achim Stranz, Fondsmanager bei Axa Investment Managers, sieht dabei besonderes Kurspotenzial für osteuropäische Börsen.

dhe/mbr/rp WARSCHAU/MOSKAU/DÜSSELDORF. Innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate könnten die Börsen um 15 % zulegen, prognostiziert der Experte. Umfragen hätten ergeben, dass die Emerging Markets und vor allem Russland seit der Krise 1998 in den Portfolios großer Investoren noch untergewichtet sind. Seit der Annäherung Russlands und der USA im Zuge des Anti-Terror-Kampfes scheine sich nun eine Trendwende zu vollziehen.

In Russland schreite der Transformationsprozess in Wirtschaft und Gesellschaft voran. Dies bedeute "günstigere Bedingungen für Investoren", heißt es in einer Studie der Axa Investment Managers. Bei Axa wird daher Russland mit 56 % übergewichtet, vor Polen (19 %) und Ungarn (15 %). Für das gute Abschneiden des Axa Osteuropa Fonds seien maßgeblich Energietitel wie Lukoil, Gazprom, Yukos Oil, Sibirskaya Neftegaz und Surgutneftegaz verantwortlich. Surgutneftegaz wurde auch von Credit Suisse First Boston weiter als Kauf eingestuft.

"Die laufenden Reformfortschritte geben Unterstützung für die Kurse", lobt Beda Kronlage von der WGZ-Bank. Russische Euro-Anleihen böten im Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern noch relativ hohe Renditeaufschläge gegenüber deutschen Bundesanleihen. Im Anleihesektor würde er daher weniger die "Kandidaten der ersten EU-Beitrittswelle" - Tschechien, Polen und Ungarn - für interessant halten. Alternativen seien eher Litauen oder Kroatien, wobei Anleger hier aber auch ein höheres Risiko beachten müssten. "Eine neue Chance einzusteigen" sieht er in dem Litauischen Eurobond, der Ende April/Anfang Mai begeben werde.

Im Hinblick auf die russische Börse gibt es aber auch skeptische Stimmen. Ein amerikanischer Fondsmanager sagte in Moskau: "Ich bin im Moment sehr nervös, was den Markt angeht. Wie lange wird er noch wachsen? Und wie liquide ist der Markt?" Andere Kollegen beklagen, dass sie kaum noch an attraktive Aktien - wie etwa die des Ölkonzerns Yukos, der seine Marktkapitalisierung gestern erstmals auf über 20 Mrd. $ steigern konnte - kämen. "Einige Fondsmanager versuchen bereits, über Aktien aus der zweiten Reihe besonders hohe Kursgewinne zu machen - auch damit sich die Performance der Fonds unterscheidet. Aber bei Kursrückschlägen wird man diese Papiere überhaupt nicht los", heißt es in Moskau.

Moskauer Analysten warnen vor allem Privatanleger, Papiere kleiner russischer Gesellschaften zu kaufen. Diese würden zu wenig gehandelt. Gerade in engen Märkten sollten ausschließlich Blue-Chip-Aktien geordert werden. Die Moskauer Börse legte gestern erneut stark zu und erreichte ein Vier-Jahres-Hoch.

In Polen gelten Bankenwerte als Tipp für ausländische Anleger. Gefragt sind vor allem die Aktien des größten Kreditinstituts, Bank Pekao SA (Unicredito Italiano). Analysten in Warschau geben aber zu bedenken, dass andere, interessante Bankenwerte zurzeit günstiger zu haben sind. Dazu gehöre die Bank Przemyslowo-Handlowy PBK SA (HypoVereinsbank), die durch eine Fusion zweier Banken entstand und nun das drittgrößte Geldinstitut in Polen ist. Gut beurteilt wird auch die Bank Zachodni WBK SA.

"Beide Werte sind bislang weniger gefragt als die Pekao, weil sie im vergangenen Jahr nicht vergleichbar gute Zahlen vorgelegt haben", sagt Artur Szeski von CDM Pekao Securities, "sie werden aber durch Restrukturierung in diesem Jahr voraussichtlich gut abschneiden". Interessant sei auch die Telefongesellschaft Telekomunikacja Polska SA (TPSA). Der Kurs ist zwar gerade gesunken, weil der Konzern nach einem Beschluss der Regulierungsbehörde 100 Mill. Euro Strafe zahlen soll. Doch glauben Analysten, dass TPSA den Beschluss anfechten wird und gute Chancen hat, um das Bußgeld herumzukommen.

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