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Moslems warnen USA vor Krieg während des Ramadan

Moslems in Asien haben die USA am Montag vor Militäreinsätzen gegen Afghanistan während des Fastenmonats Ramadan gewarnt. Sie könnten Gewalt und Hass gegen die USA auch unter bislang gemäßigten Moslems schüren, sagte Niti Hasan, Vorsitzender des Rats moslemischer Gemeinden in Thailand.

Reuters JAKARTA. US-Außenminister Colin Powell hatte nicht ausgeschlossen, dass Militäreinsätze der USA gegen Afghanistan bis in den Mitte November beginnenden moslemischen Fastenmonat reichen könnten. Auch Pakistan, Malaysia, die Philippinen und Indonesien, das weltweit die größte moslemische Bevölkerung hat, warnten vor Unruhen in ihren Ländern, sollten die USA ihre Einsätze nicht rechtzeitig einstellen.

"Es wäre zu wünschen, dass dieser Feldzug vor dem Ramadan beendet wird", sagte Pakistans Präsident Pervez Musharraf dem US-Sender CNN. Ansonsten befürchte er "negative Auswirkungen in der moslemischen Welt". Deutlichere Worte sprachen moslemische Glaubensvertreter in Asien. "Den Amerikanern wird Hass und Zorn entgegenschlagen, sollten sie das Bombardement bis zum Ramadan nicht einstellen", prognostizierte die malaysische Oppositionspartei Islam se-Malaysia. Auch der indonesische Außenminister Hassan Wirajuda und philippinische Glaubensführer warnten vor Gewaltausbrüchen in der islamischen Welt. Selbst für gemäßigte moslemische Länder seien Angriffe der USA während des Ramadan inakzeptabel, sagte Niti Hasan.

In Asien ist die Mehrheit der Moslems beheimatet. Allein in Indonesien gehören 90 % der Bevölkerung dem islamischen Glauben an. Auch in Malaysia, Bangladesch, Thailand und den Philippinen machen Moslems einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung aus. Die Regierungen dieser Länder haben die Anschläge vom 11. September zwar verurteilt, jedoch auch Bedenken gegen die inzwischen über zwei Wochen anhaltenden Militäreinsätze gegen Afghanistan geäußert, die eine Auslieferung des Moslem-Extremisten Osama bin Laden und ein Ende der afghanischen Taliban-Regierung zum Ziel haben. Bin Laden wird für die Anschläge in New York und Washington verantwortlich gemacht, bei denen mehr als 5000 Menschen starben.

10 000 Menschen in Indonesien und 30 000 in Thailand demonstrierten zuletzt gegen die US-Angriffe. Nach Ansicht von Experten ist das Ausmaß der Unruhen jedoch verhältnismäßig gering. Die Moslems seien verärgert, zeigten es aber nicht, da sie sich machtlos fühlten, sagte der indische Islam-Experte Asghar Wajahat. Vorsitzende islamischer Gemeinden sagten indes, es gelinge ihnen nur teilweise, ihre Gemeinde zu beruhigen. "Es ist wichtig, Druck auf die USA auszuüben, doch wir müssen vernünftig reagieren", sagte Hasyim Muzadi, Leiter einer 45 Mill. Mitglieder umfassenden islamischen Gemeinde in Indonesien. Experten zufolge ist ein Ausbleiben größerer Unruhen auch dem massiven Einsatz indonesischer Sicherheitskräfte zu verdanken.

Der Fastenmonat Ramadan - der neunte Monat des moslemischen Mondjahres - ist für Moslems ein Monat der Besinnung und der Zurückhaltung. Vom Morgengrauen bis Sonnenuntergang sollen die Gläubigen fasten und das Rauchen unterlassen. In der islamischen Geschichte fanden mehrmals Kriege während der Fastenzeit statt. Gotteskrieger halten sich zwar an die Fastenzeit, sehen es aber als Pflicht, ihren Glauben zu jeder Zeit zu verteidigen.

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