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Motassadeq durch US-Fax entlastet

dpa HAMBURG. Der in Hamburg vor Gericht stehende Mounir El Motassadeq war nach Aussagen mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 kein Mitglied der Terrorzelle um Mohammed Atta.

dpa HAMBURG. Der in Hamburg vor Gericht stehende Mounir El Motassadeq war nach Aussagen mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 kein Mitglied der Terrorzelle um Mohammed Atta.

In einem Fax, das am Mittwoch im Prozess vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht verlesen wurde, zitiert das US-Justizministerium Aussagen der mutmaßlichen Hintermänner Ramzi Binalshibh und Chalid Scheich Mohammed, wonach Motassadeq nicht über die Anschläge informiert war. Beide Männer werden von den USA festgehalten. Der frühere Chef des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, darf in Hamburg nicht aussagen.

Der 30 Jahre alte Marokkaner Motassadeq steht seit Dienstag in der Neuauflage des weltweit ersten Prozesses um die Anschläge vom 11. September vor Gericht. Ihm werden Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen vorgeworfen. Im Februar 2003 war Motassadeq zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil in diesem März auf und verwies den Fall zurück nach Hamburg.

Die US-Behörden wiesen daraufhin, dass Binalshibh und Scheich Moahmmed absichtlich Informationen zurückgehalten haben könnten. Scheich Mohammed sagte laut der vierseitigen Zusammenfassung von Verhörprotokollen, Motassadeq habe bei den Anschlägen "weder eine operative noch eine unterstützende Rolle gehabt". Er habe den Marokkaner in einem Hotel in Karachi getroffen, um ihm bei seiner Reise in ein El-Kaida-Ausbildungslager zu helfen. Die geplanten Terrorattacken seien dabei nicht zur Sprache gekommen.

Nach Binalshibhs Angaben nahm Motassadeq ebenso wie der in Hamburg von Terrorvorwürfen freigesprochene Abdelghani Mzoudi regelmäßig an anti-amerikanischen Diskussionen in der Marienstraße in Hamburg-Harburg teil. Er wird in dem Fax aber zitiert: "Motassadeq waren die Aktivitäten der Terrorzelle nicht bekannt." Der Aussage zufolge hat Motassadeq zwar Geldgeschäfte für die Attentäter übernommen, etwa Überweisungen für den Todespiloten Marwan Alshehhi ausgeführt. Er habe jedoch nie gewusst, wofür das Geld bestimmt war.

Der Vorsitzende Richter, Ernst-Rainer Schudt, sagte: "Wir müssen überlegen, was das für den Umfang der Beweisaufnahme bedeutet." Für eine Entscheidung sei es noch zu früh, zunächst müssten die Aussagen in Ruhe analysiert werden.

Motassadeqs Verteidiger Josef Gräßle-Münscher rechnet indes nicht mehr mit einer Verurteilung. "Ich denke, es läuft auf einen Freispruch hinaus", sagte er am Rande des Prozesses. Hingegen äußerte Bundesanwalt Walter Hemberger "erhebliche Zweifel", ob Binalshibh in Bezug auf Motassadeq die Wahrheit sage. Seine Aussage widerspreche in wesentlichen Punkten Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft. So habe Binalshibh ausgesagt, der Terrorverdächtige Zakarya Essabar sei nicht in die Anschlagpläne eingeweiht gewesen, obwohl er eindeutig dazugehört habe.

Das US-Justizministerium teilte mit, dem früheren CIA-Chef Tenet könne eine Aussage vor dem Hamburger Gericht nicht erlaubt werden. Auch könne kein anderer Vertreter des Geheimdienstes dem Hamburger Gericht zur Verfügung stehen.

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