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Motiv des Briefbomben-Attentäters ist weiter unklar

Mit der Selbsttötung des Attentäters ist die Serie von Briefbomben-Anschlägen in Bayern aufgeklärt. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Beginn seiner Anschlagserie auf Politiker und Behördenchefs sprengte sich der 22 Jahre alte Mann am Freitag im niederbayerischen Hutthurm selbst in die Luft.

dpa HUTTHURM. Mit der Selbsttötung des Attentäters ist die Serie von Briefbomben-Anschlägen in Bayern aufgeklärt. Mehr als ein halbes Jahr nach dem Beginn seiner Anschlagserie auf Politiker und Behördenchefs sprengte sich der 22 Jahre alte Mann am Freitag im niederbayerischen Hutthurm selbst in die Luft.

Die Polizei war dem Täter vor dem Selbstmord schon dicht auf den Fersen: Für Samstag war er zu einer Speichelprobe im Rahmen eines Serien-Gentests an 2 300 Männern vorgeladen. Er hatte insgesamt neun Briefbomben verschickt und in einem Fall eine Sekretärin verletzt. Die übrigen Bomben detonierten nicht.

Bei der Durchsuchung seines Zimmers nach seinem Tod fanden die Beamten "penibel ordentlich verstaute Utensilien" zum Bombenbau, sagte der LKA-Sprecher am Sonntag. Darunter zum Beispiel eine mit Sprengstoff gefüllte und bereits mit Zünder versehene Glühbirne, Zündschnüre, Sprengstoff und mehrere in Zeitungspapier eingewickelte Gaskartuschen. Mit einer solchen mit Schwarzpulver gefüllten Kartusche hatte sich der Mann auch das Leben genommen. Außerdem fanden die Beamten ein Handbuch mit allen Daten öffentlicher Einrichtungen in Deutschland.

Das Motiv des Attentäters blieb rätselhaft. Die Angehörigen seien derzeit nicht vernehmungsfähig, sagte ein LKA-Sprecher. Sein 56- jähriger Vater erlitt einen Nervenzusammenbruch. Weder er noch die Tante des Täters, die mit im Haus lebte, hatten laut Polizei von dem Doppelleben des Mannes gewusst. Die Polizei geht nicht davon aus, dass es weitere Täter gab.

Der junge Mann lebte sehr zurückgezogen in einem Bauernhaus. Nach Abschluss der Hauptschule hatte er Zivildienst, aber nie eine Berufsausbildung gemacht. Er hatte auch keine Arbeit. Bekannte beschrieben ihn als ruhig und freundlich. Er war als Einzelgänger bekannt und hatte keine ihm näher stehenden Freunde.

Mit seiner Selbsttötung habe der Mann noch einmal seine Gefährlichkeit bewiesen, sagte der Leitende Passauer Oberstaatsanwalt Günther Albert. Trotz des Todes des Mannes warnten die Ermittler vor weiteren Bomben. Der Attentäter könne vor seinem Suizid noch weitere manipulierte Briefe verschickt haben. Behörden sollten in den kommenden Tagen eingehende Sendungen sorgfältig überprüfen.

Ein Landwirt hatte beobachtet, wie sich der Mann selbst tötete. Nach Alarmierung der Polizei wurde die Leiche zur Obduktion nach München gebracht. Die Gerichtsmediziner konnten noch in der Nacht zum Samstag per Genanalyse klären, dass es sich tatsächlich um den Bombenbauer handelt. Wenige Stunden später meldete der Vater seinen Sohn als vermisst. So wurde der Sonderkommission des LKA die Identität des Bombenbauers bekannt.

Eine zeitweise bis zu 45 Beamte starke Sonderkommission hatte den Bombenbastler gesucht. An mehreren der in kindlicher Schrift adressierten Briefen wurden schließlich kleinste Hautpartikel des Mannes entdeckt. Das DNA-Muster stimmte mit genetischen Spuren überein, die bei einem Einbruch vor zwei Jahren in Hutthurm sicher gestellt worden waren. Damals hatte der Dieb einen blutigen Handschuh am Tatort liegen lassen.

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