Motiv unklar
Altenpfleger spritzte Überdosis Insulin

Der junge Pfleger soll bis zu acht Heimbewohner auf dem Gewissen haben. Jetzt ermittelt der Staatsanwalt wegen versuchten Totschlags.

dpa NÜRNBERG/FÜRTH. Ein Altenpfleger soll bis zu acht Heimbewohnern im fränkischen Fürth eine Überdosis Insulin gespritzt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 23-Jährigen wegen versuchten Totschlags. Er sitzt seit November 2002 in Untersuchungshaft. Neben zwei schon länger vermuteten Fällen habe der Mann wahrscheinlich sechs weiteren Heimbewohnern eine Überdosis Insulin verabreicht, teilte die Nürnberger Staatsanwaltschaft am Wochenende auf Anfrage mit. Das Motiv des Altenpflegers ist unbekannt.

Staatsanwalt Stephan Popp sagte, bei zwei Bewohnern des Seniorenheims der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sei seine Behörde relativ sicher, dass sie der Pfleger mit einer Überdosis Insulin habe töten wollen. "Bei drei weiteren Todesfällen hat sich der Verdacht gegen den 23-Jährigen sehr verdichtet, in drei anderen Fällen ermitteln wir noch", sagte Popp. Der Bericht der Polizei werde erst in einigen Wochen vorliegen.

Die Heimleitung war auf den Pfleger im Oktober vergangenen Jahres aufmerksam geworden. In zwei Fällen hatten ältere Heimbewohner einen Insulin-Schock erlitten, nachdem ihnen grundlos das Blutzucker senkende Mittel verabreicht worden war. Wegen einer lebensbedrohlichen Unterzuckerung wurden sie in einer Klinik behandelt und gerettet. Beide sind keine Diabetiker. Die Heimleitung überprüfte daraufhin frühere, ähnlich gelagerte Fälle.

Ein Abgleich mit den Dienstplänen ergab, dass meist der als Hilfspfleger beschäftigte 23-Jährige kurz zuvor Dienst hatte. Eine Fehlmedikation schloss die Heimleitung ausdrücklich aus. "Es gibt keinen Hinweis, dass jemand vom übrigen Pflegepersonal irrtümlich das Insulin gespritzt hat", betonte der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Fürth, Karl-Heinz Wurst. Das Heim hat inzwischen die Ausgabe von Insulin stärker reglementiert.

Die Pflegeheim-Betreiber halten es auch für unwahrscheinlich, dass der 23-Jährige sich nicht ausreichend über die Folgen von Insulin- Injektionen klar war. "Der junge Mann hat seit einem Jahr berufsbegleitend eine Altenpflegeausbildung absolviert. Er wusste daher genau, was er tat", sagte der Fürther AWO-Vorsitzende Willi Blutz.

Nach Angaben von Kollegen hat sich der 23-Jährige, der seit Mai 1999 in dem Heim beschäftigt war, immer korrekt verhalten. Zu den Patienten habe er ein "neutrales Verhältnis" gehabt.

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