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Motivationsfaktor eGovernment

In Zeiten konjunktureller Abkühlung kann der Staat in Sachen Infrastruktur Impulse geben. So fordert Sun-Geschäftsführer Dr. Helmut Wilke (Foto) Zeit und Geld sparendes eGovernment.

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In diesen Tagen scheinen viele Menschen wie gelähmt. Gebannt verfolgen die Bürger die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, der Börse, des Wetters - was fehlt, ist die Vision und das Aufbruchsignal. Höchste Zeit, wieder in die Hände zu spucken. Der Staat kann seinen Teil dazu beitragen: Es gilt jetzt gezielt in Infrastruktur und neue Anwendungen zu investieren. Der Staat muss dem Bürger Anreize geben, das Internet noch intensiver zu nutzen. Beispiel Arbeitsmarkt und Arbeitsamt: Wer sich heute arbeitslos meldet, der wartet gut fünf Monate, bis er die endgültige Höhe seiners Arbeitslosenunterstützunggeldes weiß. Das Arbeitsamt erfragt mühsam bei den Arbeitgebern der letzten fünf Jahre das Gehalt. Mehr Integration benötigt Hier brauchen wir mehr "Integration"; eine Vernetzung, die sich Daten aus den verschiedensten Amts-Datenbanken holen kann. Für den Betroffenen ist es noch wichtiger, einen neuen Job zu finden, statt aufs Geld vom Amt zu warten. Die Arbeitssuchenden sollten ihre Qualifikationsprofile direkt im Internet eingeben und pflegen können. Ein anonymisierter Zugriff der Arbeitgeber auf diese Profile kann die Effizienz der Vermittlung des Arbeitsamtes erhöhen. Insbesondere kann durch einen deutschlandweiten Zugriff auch überregionaler Bedarf befriedigt werden. Deshalb sollten Unternehmen ihre freien Stellen online beim Arbeitsamt pflegen. Die Berater des Arbeitsamtes sollten flexiblere Daten über Arbeitssuchende eingeben, und ihre Kandidaten besser betreuen und vermitteln können. Das Arbeitsamt braucht Data Warehousing und Customer Relationship Management, wie das in der Informationstechnologie genannt wird. Es gibt viel zu tun. Zwar sind der Bund, die Länder und die Gemeinden schon nahezu alle online, jedoch ist das Angebot meist nur statisch, ähnlich einem Schwarzen Brett. Der Bürger kann sich informieren, wie etwa eine An- und Ummeldung vonstatten geht und das Formular herunterladen. Wirklich interaktive Anwendungen, zum Beispiel die direkte An- oder Ummeldung per Internet oder der direkte Rentenantrag, sind derzeit noch nicht möglich. Zwar ist der Gesetzgeber sehr aktiv und hat die Voraussetzungen für die digitale Identität und viele Online-Aktivitäten per Gesetz und Verordnung bereits geschaffen, doch fehlt es an der konkreten Umsetzung. Vielversprechende Anfänge Freilich geht der Bund mit gutem Beispiel voran. Bund-Online 2005, das eGovernment-Projekt des Bundes, wird 376 von insgesamt 383 Dienstleistungen auf Bundesebene im Netz verfügbar machen. Bis 2005 sind Gigabyte an Daten auf die Server zu bringen und vor allem die Anwendungen für die Bürger einzurichten. Die Investition in Bund-Online 2005 lohnt sich. Das Projekt soll rund 1,65 Milliarden Euro kosten. Aber dafür werden Bürgerinnen, Bürger und Wirtschaft die Dienstleistungen der Bundesverwaltung einfacher, schneller und kostengünstiger in Anspruch nehmen können. So werden wenigstens wieder 400 Millionen Euro gespart. Der internationale Vergleich zeigt, dass Deutschlands Anfänge zwar vielversprechend, doch keineswegs ausreichend sind. Eine Studie von TNS Emnid von 2001 weist die Norweger, Finnen und Estenonier (mit 19 sowie 17 und 16 Prozent) als Spitzenreiter bei der interaktiven Nutzung von Regierungsdiensten aus. In einem Punkt sind die Deutschen allerdings führend. Sie haben mit 85 Prozent der Befragten die meisten Sicherheitsbedenken. Eine jüngere nationale Studie von Emnid im Auftrag von D21 bestätigt die Sicherheitsvorbehalte, erweist aber auch mit 87 Prozent der Befragten eine breite Zustimmung zu e-Government. Deutsche sind gründlich und misstrauisch Eine Kampagne darüber, wie sicher das Internet ist, wäre allerdings der falsche Weg. Die Deutschen sind nun mal gründlich und misstrauisch. Wir sollten daher die sichersten Internetanwendungen der Welt schaffen. Der erste Schritt für sichere Applikationen wurde bereits mit der Verabschiedung des Signaturgesetzes gemacht. Interessierte Bürger können sich bei entsprechenden Einrichtungen bereits eine digitale Signatur beschaffen. Doch ist diese nicht gerade günstig - derzeit 60 Euro Anmeldung und Jahresgebühren - und es fehlen die Infrastruktur und die Anwendungen zur Nutzung der digitalen Identität. Das konsequente Ziel wäre hier der digitale Personalausweis mit einer kostengünstigen Identität, ein Ausweis von der Größe einer Scheckkarte mit Identifikationschip. Richtig konzipiert, könnte er die Sicherheit erhöhen, etwa bei Diebstahl sowie als "Zweitschlüssel" zu anderen Chipkarten bei besonders wichtigen Transaktionen. Freilich sollte der Dialog zwischen der Politik und den deutschen Experten intensiviert werden, um etwa die Anonymität des Bürgers zu wahren. Es ist alles da, die Köpfe und die Technik. Packen wir es an. (*) Dr. Helmut Wilke war bisher in verschiedenen Positionen in der IT-Branche tätig. Er ist seit 1. Mai 2001 Geschäftsführer und Vizepräsident der Sun Microsystems GmbH. Lesen Sie mehr über den Sun Microsystems Deutschland-Chef in seinem Portrait weiter ...

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