Motorenprobleme waren wohl Ursache für schwachen Saisonauftakt von McLaren-Mercedes
Mit zu viel Leistung zum Misserfolg

Motorenprobleme waren wohl die Hauptursache für den schwachen Saisonauftakt von McLaren-Mercedes in Melbourne - nicht das einzige Problem, mit dem das Team nach dem Fehlstart zu kämpfen hat.

MELBOURNE. Lisa Dennis versuchte zu retten, was nicht zu retten war: die Stimmung bei McLaren-Mercedes nach der Auftaktpleite beim Saisonstart der Formel 1 in Melbourne. Kimi Räikkönen fiel als erster Fahrer der Saison aus, David Coulthard wurde nur Achter - kein Wunder, dass die Mienen in der Mercedes-Box verkniffen waren. "Wenn Ron kommt, solltet ihr versuchen, ihn erst mal mit einem kleinen Scherz aufzuheitern", riet Lisa Dennis den auf ihren Ehemann wartenden Journalisten.

Doch als der Teamchef kam, klappte das mit den Scherzen nicht so ganz - zu ernst war die Lage. Schließlich war der Rennstall als einer der WM-Favoriten gehandelt worden. "Zu sagen, dass das ein schwieriges Wochenende war, wäre eine Untertreibung", sagte Dennis, der gefasster wirkte als Norbert Haug. Der Sportchef von Mercedes hatte festgestellt, "dass wir uns in allen Bereichen verbessern müssen". Auch Dennis richtete den Blick nach vorn. "Wir glauben zu wissen, wo die Probleme liegen - und nach sorgfältiger Analyse werden wir sie auch beseitigen können."

Zu lösen ist die Frage nach der Motorleistung. Das neue Auto hatte im Dezember zuverlässig gewirkt, doch in der zweiten Testphase traten immer wieder Probleme auf. Die Konkurrenz kann sich vorstellen, was passiert ist. "Die haben eine neue Motoren-Entwicklungsstufe gebracht, mit noch mehr Leistung - und das war offensichtlich ein Schritt zu viel", sagte BAR-Pilot Jenson Button. Ob der Motorschaden von Räikkönen das Ergebnis zu hoher Leistung war, ist aber nicht sicher. Möglicherweise kam der Druckverlust im Wassersystem durch ein simples Kühlerleck zustande.

Ein zweites Problem: Das McLaren-Chassis scheint nicht optimal zu den Michelin-Reifen zu passen. Renault, ebenfalls ein Michelin-Team, konnte in Melbourne einen weicheren Reifen fahren. Das war einer der Hauptgründe, warum der Dritte Fernando Alonso als Einziger halbwegs mit Sieger Michael Schumacher und dem Zweiten Rubens Barrichello (beide Ferrari) mithalten konnte. Auch die am Sonntag gesunkenen Außentemperaturen "haben uns sicher alles andere als geholfen", sagte Dennis. Bei den nächsten beiden Rennen in Malaysia und Bahrain wird es heißer sein. Dort hoffen alle Michelin-Teams auf eine deutlich bessere Vorstellung gegenüber Ferrari - weil deren Bridgestone-Reifen 2003 bei Hitze nie gut funktionierten. "Der Reifenkrieg ist ein entscheidender Faktor. Er wird dafür sorgen, dass die Formkurven der einzelnen Teams gewaltig schwanken", glaubt David Coulthard. "Bei der Ferrari-Dominanz wird es nicht bleiben."

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