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«Mr. Mercedes» Jürgen Hubbert: 65. Geburtstag in unruhigen Zeiten

Stuttgart (dpa) - In seiner Jugend war ein starker Hürdenläufer, heute träumt er davon, mal ein Orchester zu dirigieren. Das Überwinden hoher Hürden und einem Ensemble den Takt anzugeben, sind zwei Fähigkeiten, die Mercedes-Chef Jürgen Hubbert in diesen unruhigen Zeiten gut gebrauchen könnte. Am 24. Juli feiert «Mr. Mercedes» seinen 65. Geburtstag - ob da besinnliche Stimmung aufkommt, scheint eher fraglich.

Stuttgart (dpa) - In seiner Jugend war ein starker Hürdenläufer, heute träumt er davon, mal ein Orchester zu dirigieren. Das Überwinden hoher Hürden und einem Ensemble den Takt anzugeben, sind zwei Fähigkeiten, die Mercedes-Chef Jürgen Hubbert in diesen unruhigen Zeiten gut gebrauchen könnte. Am 24. Juli feiert «Mr. Mercedes» seinen 65. Geburtstag - ob da besinnliche Stimmung aufkommt, scheint eher fraglich.

Der Streit mit der Belegschaft um die Senkung der Arbeitskosten sorgte in den vergangenen Wochen für heftige Verstimmung und Schlagzeilen. Warum der sonst eher konziliante Hubbert dabei so ruppig vorging, verwunderte viele. Und Ende Juli wird mit der Wahl seines Nachfolgers als Chef der Mercedes Car Group eine lange Phase der Unruhe im Hause Daimlerchrysler zu Ende gehen, die den amtierenden Mercedes-Chef manch schlaflose Nacht bereitet haben dürfte.

Eigentlich wollte der am 24. Juli 1939 im westfälischen Hagen geborene Diplom-Ingenieur in diesem Sommer schon mehr Zeit für die strategische Fragen und vielleicht auch für sich und seine Familie haben. Doch Ende April sorgte die «Knall-auf-Fall-Abberufung» seines designierten Nachfolgers Wolfgang Bernhard, an der Hubbert kräftig mitwirkte, für eine Riesenüberraschung. Und wenig später legte der bald 65-Jährige selber eine ähnlich harte Gangart gegenüber der Mercedes-Belegschaft ein, wie sie zuvor bei Bernhard kritisiert worden war.

Hubberts Name ist und bleibt mit der bislang größten Modelloffensive bei Mercedes-Benz verbunden. Vom winzigen smart bis zum mächtigen Maybach hat er die Modellpalette des ältestens Autobauers der Welt in alle Richtungen ausgeweitet. Auch der berühmte «Elchtest», der zunächst den Start der A-Klasse abrupt stoppte, konnte nicht verhindern, dass sich Mercedes-Benz laut Imagebefragungen von der Marke für Hutträger zu einem dynamischen Autobauer entwickelte.

Der Westfale ist ein echtes «Daimler-Gewächs». 1965, also vor fast 40 Jahren, kam der Diplom-Ingenieur nach seinem Studium in Stuttgart zur damaligen Daimler-Benz Das Autogeschäft lernte er dabei in allen Facetten. 1987 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied und übernahm 1998 die Verantwortung für die Personenwagen von Mercedes Benz. - Die vom jüngst gestorbenen Helmut Werner eingeleitete Produktoffensive setzte Hubbert konsequent fort. Die C-Klasse, das CLK Coupé, der Roadster SLK, die M-Klasse, der smart und eben auch die A-Klasse sind mit seinem Namen verbunden.

Dass Mercedes-Benz einmal mehr als eine Million Autos verkaufen und in Deutschland hinter Volkswagen den zweitgrößten Marktanteil halten würde, galt noch zu Beginn der 90er Jahre als fast undenkbar. Heute spricht Hubbert von der zweiten Produktoffensive, baut die Marke smart massiv aus und will mit dem CLS, dem GST und dem CST in den nächsten Jahren erneut Modellnischen besetzen, so dass einmal 1,8 Millionen Autos verkauft werden können.

Die neue S-Klasse, die im September 2005 auf der IAA zu sehen sein wird, gilt als eine Art Vermächtnis von «Mr. Mercedes». Zahlreiche Innovationen und neue Sicherheitsfeature - auch für den Fußgängerschutz - sollen für Aufsehen sorgen. Dass er das Flaggschiff von Mercedes-Benz nicht mehr selbst vorstellen kann, dürfte Hubbert etwas schmerzen. Aber er werde nach Auslaufen seines Vorstandsvertrages bei Daimlerchrysler im April 2005 noch viele Projekte verwirklichen, kündigte Hubbert schon mal den kommenden «Unruhestand» an.

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