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Márquez und seine traurigen Huren

Aktuelle Bücher - gelesen von der Handelsblatt-Redaktion

Gabriel García Márquez: Erinnerung an meine traurigen Huren. Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2004, 160 Seiten, 16,90 Euro

Bücher des Literatur-Nobelpreisträgers Gabriel García Márquez werden von Lesern wie eine Offenbarung erwartet. Der morgen auf Deutsch erscheinende Roman "Erinnerung an meine traurigen Huren" kursierte schon als Raubdruck im Internet, was Márquez veranlasste, das Schlusskapitel umzuschreiben. "Die traurigen Huren" sind das erste literarische Werk des 77-jährigen Schriftstellers seit zehn Jahren. Eine ungewöhnliche Geschichte, die auf den ersten Blick sogar abstoßend ist. Da möchte ein 90-jähriger Mann noch einmal mit einer Jungfrau, einem 14-jährigen Mädchen, schlafen. Doch es kommt nicht dazu, und Márquez schildert, wie der Greis völlig der Schönheit und Anmut des Kindes verfällt, das er nie wach antrifft. Wie immer in den Büchern des kolumbianischen Autors verliert sich die Wirklichkeit Stück für Stück, und man taucht unversehens in die Magie der wunderbaren Sprache Márquez? ein. Es geht um Alter, Jugend und die Macht der Wörter. Und vor allen um eines: die poetische Erweckung eines alten Mannes, der viele Frauen hatte, am Ende aber die Liebe seines Lebens entdeckt. Kerstin Schneider

Klaus Bade, Michael Bommes, Rainer Münz (Hrsg.): Migrationsreport 2004.Campus Verlag, Frankfurt 2004, 324 Seiten, 22,90 Euro

Seit Jahrzehnten wandern Menschen nach Deutschland ein und werden hier heimisch - oder eben nicht. Der "Migrationsreport" rückt die fehlende Integration der Fremden in den Fokus. In neun Beiträgen gehen Soziologen, Historiker, Sprachforscher und Ethnologen der Frage nach, wie aufnahmefähig westeuropäische Wohlfahrtsstaaten sind - und wie anpassungsfähig ihre Kultur. Was sich aus der Einwanderung der Polen ins Ruhrgebiet, der Iren nach England und der Algerier nach Frankreich lernen lässt. Und wie schwierig es ist, Einwanderern in staatlich verordneten "Integrationskursen" das Leben in Deutschland beizubringen. David Selbach



John Kenneth Galbraith: Der große Crash 1929. Finanz-Buch-Verlag, München 2004, 208 Seiten, 14,90 Euro

Vor 75 Jahren kollabierte die größte Volkswirtschaft der Welt, ein weltumspannendes Wirtschaftssystem geriet ins Wanken. Noch immer aber wissen viele Anleger nicht, was an jenem "Schwarzen Freitag" genau geschah. John Kenneth Galbraith, Jahrgang 1908 und Zeitzeuge der Finanzkatastrophe, schildert minutiös und stets mit einem Augenzwinkern die Geschehnisse des bisher größten Börsencrashs - und gibt doch keine Entwarnung für die Zukunft. Galbraith gilt heute als Vordenker linker Ökonomen. Der ehemalige Harvard-Professor fordert einen kritischen und behutsamen Umgang mit der Marktwirtschaft. Sein bedeutendes Werk "The Great Crash 1929" erschien bereits 1955 in englischer Sprache. Nun kommt die deutsche Neuauflage des lange vergriffenen Klassikers auf den Markt. Thomas Becker

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