MSCI World als Benchmark
Günstige Aktien gegen pessimistische Einstellung

Der fast 30 Jahre alte UBS (D) Fonds-International hat seine Karriere als "SMH-International" begonnen, während der deutlich ältere Templeton Growth nicht nur beim Namen auf Kontinuität setzt. Ein Fonds-Vergleich.

In Marktphasen, in denen reihenweise Fonds geschlossen und Angebots-Paletten bereinigt werden, machen Verwandlungen wie diese misstrauisch: Aus dem 1973 von der Frankfurter Privatbank Schröder, Münchmeyer, Hengst & Co aufgelegten SMH-International wurde nach der Übernahme durch die Schweizer Großbank UBS zunächst SMH-International-UBS-Fonds, seit dem 1. April 2002 heißt der Allrounder UBS (D) Fonds-International. Folgt als nächster Schritt früher oder später die Auflösung, zumal die UBS gleich fünf weitere international ausgerichtete Aktienfonds anbietet?

"Dafür gibt es definitiv keine Pläne", beruhigt Reiner Hübner. Der Mitarbeiter der Frankfurter UBS-Niederlassung zeichnet seit exakt einem Jahr für den Fonds verantwortlich und verweist auf das stattliche Volumen von 200 Millionen Euro: "Allein im laufenden Jahr sind 60 Millionen Euro neu hinzugekommen." Damit lässt sich für einen global anlegenden Aktienfonds - anders als noch vor drei Jahren, als das Volumen gerade einmal drei Millionen Euro betrug - gut disponieren, und in den kommenden Jahren soll der UBS (D) Fonds-International Hübner zufolge konsequent als "Core Investment" herausgestellt werden.

Freilich: Als Kern eines Investment-Depots eignete sich der UBS-Fonds, als er noch von Hübners Vorgänger Martin Amrhein gemanagt wurde, nur bedingt: Damals bestand nämlich streckenweise die Hälfte des Vermögens aus Technologie- und Telekommunikations-Aktien. "Diese hohe Gewichtung, die nach dem Platzen der Spekulationsblase viel Performance kostete, haben wir in den vergangenen zwölf Monaten kontinuierlich abgebaut", schildert Hübner und verweist auf erste Erfolge: "Im Jahr 2001 hat der Fonds mit einem Minus von 9,37 Prozent fast 300 Basispunkte besser abgeschnitten als der MSCI-Weltindex."

Der MSCI World dient zwar als Benchmark, doch gezielte Über- und Untergewichtungen gibt es nach wie vor. Einzelne Branchen kann Hübner den internen Richtlinien zufolge mit bis zu zehn Prozentpunkten über- oder untergewichten, auf der Einzeltitel-Ebene sind es fünf Prozentpunkte. So ist beispielsweise die im MSCI-World mit 2,5 Prozent am stärksten gewichtete Aktie von General Electric im UBS (D) Fonds-International lediglich mit einem Prozent vertreten.

Bei der Auswahl der einzelnen Titel werden Hübner und sein Co-Manager Tilmann Galler von einem weltweiten Netzwerk aus insgesamt 90 UBS-Analysten unterstützt, die ausschließlich dem Fondsmanagement der Gruppe zuarbeiten. In diesem System steuert das Frankfurter Duo zwar auch die eine oder andere Anlage-Idee bei, sieht sich aber in erster Linie als Risikomanager.

Hübners Ziel: möglichst viele Aktien im Fonds zu haben, die gemessen am künftigen Cash flow unter ihrem fairen Wert notieren. Als positive Beispiele nennt er den Pharma-Konzern Wyeth (ehemals American Home Products), Shell und die australische Westpac Bank. Gemessen an ihrem MSCI-Anteil deutlich untergewichtet sind außer General Electric auch die US-Blue-Chips Walmart und Pfizer.

Die aktuelle Situation an den Aktienmärkten beurteilt der UBS-Mann als "insgesamt neutral". Nach wie vor positiv sieht er die ermunternden Signale für einen Konjunktur-Aufschwung, der allerdings im Kursniveau bereits weitgehend enthalten sei. Belastend wirkten sich neben den Unruhen im Nahen Osten vor allem der steigende Ölpreis aus, während andererseits noch immer sehr viel Liquidität für Neuanlagen zur Verfügung stehe. Seine vergleichsweise hohe Gewichtung im eher defensiven Pharma-Sektor will Hübner bis auf weiteres beibehalten, während er bei den in den vergangenen Wochen sehr gut gelaufenen Öl-Aktien Gewinne mitgenommen hat.

Ganz anders Murdo Murchison. Der seit Anfang 2001 amtierende Manager des Templeton Growth baut nach wie vor auf Energie-Aktien - ohne sich dabei um das kurzfristige Auf und Ab des Ölpreises zu kümmern: "Viele Unternehmen generieren bereits bei normalen Preisen sehr viel Cash. Das haben die Märkte lange Zeit ignoriert." Der Templeton-Manager denkt deshalb nicht daran, seine im Februar aufgestockten Beteiligungen an Shell, ENI und Burlington Resources so bald wieder zu reduzieren.

Seine seit Jahresbeginn wieder deutlich pessimistischere Grundeinstellung hat Murchison nicht korrigiert: "Es ist riskant zu glauben, dass die für 2002 erwartete Konjunktur-Erholung kräftig genug sein wird, um die bereits bei vielen Aktien eingepreisten optimistischen Annahmen zu rechtfertigen."

Deshalb setzt er nach wie vor auf günstig bewertete Aktien wie den koreanischen Stahl-Produzenten Posco oder die amerikanischen Lebensmittel-Einzelhändler Kroger und Albertson?s. Für langfristig interessant hält Murchison auch einige Telekom-Titel wie Cable & Wireless sowie Worldcom. In beiden Fällen muss er aber wohl noch eine ganze Weile warten, bis die beim Kauf bezahlten Einstiegskurse wieder erreicht sind.

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