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MSD legt Pharmaforschung in Deutschland auf Eis

Die Merck-Tochter MSD Sharp & Dohme hat angesichts der geplanten Gesundheitsreform den Ausbau ihres Forschungszentrums in München gestoppt.

rtr FRANKFURT. Neben dem US-Konzern Pfizer hat auch die deutsche Tochter des US-Konzerns Merck & Co, MSD Sharp & Dohme GmbH, angesichts der geplanten Gesundheitsreform den Ausbau seiner Pharmaforschung in Deutschland auf Eis gelegt. "Wir hatten vor, ein europäisches Forschungszentrum in München aufzubauen. Das ist jetzt ad acta gelegt", sagte Stefan Oschmann, MSD-Vorstandschef, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. "Wir hatten genehmigte Pläne für mehrere hundert zusätzliche Arbeitsplätze." Die geplante Gesundheitsreform sieht unter anderem für 2004 eine Erhöhung der Herstellerrabatte für Großabnehmer wie Apotheken auf 16 von bislang sechs Prozent für verschreibungspflichtige Arzneimittel vor.

Unternehmen wie Boehringer Ingelheim, Merck, Schwarz Pharma oder Altana hatten bereits vor Millioneneinbußen als Folge der Reform gewarnt. "Allein die 16 % führen zu einer Ertragsminderung von schätzungsweise 90 Mill. ? jährlich", sagte Oschmann. Er betonte aber, MSD werde nach wie vor in Deutschland bleiben und aktiv sein. Doch die in der Gesundheitsreform vorgesehenen Zwangsrabatte, die Festpreise und ein geplantes Zentrum für Qualitätskontrolle seien eine "fundamentale Bedrohung" für MSD. Merck & CO betreibt nach früheren Angaben außerhalb der USA in Deutschland die umfangreichste klinische Forschung. MSD Deutschland beschäftigt nach eigenen Angaben rund 1500 Menschen. Vergangenes Jahr setzte der Konzern hier zu Lande 689 Mill. ? um. Wo nun der neue Standort des geplanten Forschungszentrum liegen werde, ließ Oschmann offen: "Wenn es sich um ein europäisches Forschungszentrum handelt, wird es wohl nicht in Schanghai gebaut."

Nachlassende Forschungsaktivitäten

Auch der größte Pharmakonzern der Welt Pfizer verlegt wegen der geplanten Gesundheitsreform seine Deutschland-Aktivität. "Wir verlegen die Forschung von Freiburg nach Großbritannien, da dort innovative Medizin belohnt wird und eine gute Infrastruktur vorhanden ist", sagte eine Sprecherin. Durch den Schritt könnten ein Teil der dortigen 150 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Konzern hat in Deutschland rund 6000 Beschäftigte. Für die Entscheidung habe es eine Reihe von Gründen gegeben, den Ausschlag habe jedoch die geplante Gesundheitsreform gewesen. "Wenn wir alle Aspekte der Reform berücksichtigen - dann reden wir von Auswirkungen in der Höhe von 140 Mill. ? auf den Umsatz 2004," sagte sie. Das Unternehmen habe in den vergangenen Jahren jeweils zweistelliges Umsatzraten erzielt. Angesichts der Zwangsrabatte werde Pfizer kommendes Jahr kein zweistelliges Wachstum erreichen. Deutschland ist nach den USA und Japan für Pfizer der drittgrößte Markt, wo der Konzern mit einem Umsatz von 1,9 Mrd. ? Marktführer ist.

Auch bei Pfizer-Konkurrent Eli Lilly könnten die Deutschland-Pläne wegen der Reform ins Wanken geraten. Bislang hat der US-Konzern zwar noch vor in den kommenden fünf Jahren seine Forschung in Deutschland auszubauen und 100 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Gegenwärtig sei indes noch keine Entscheidung für oder wider den Ausbau gefallen. "Aus geschäftlicher Sicht, muss Lilly vorsichtig abwägen, wo es künftig investieren will", erklärte der US-Konzern. Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) rechnet auf Grund der vorgesehenen Erhöhung der Zwangsrabatte mit nachlassender Forschungsaktivität in Deutschland. "So etwas bleibt nicht ohne Auswirkungen auf den Forschungsstandort Deutschland", kritisierte BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp.

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