MTV-Mutter Viacom und AOL Time Warner konkurrieren um Übernahme des deutschen Musiksenders
Kampf um Viva spitzt sich zu

AOL Time Warner und Viacom wollen den Musiksender Viva übernehmen. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen. Bei einem Einstieg des Konkurrenten MTV droht ein Monopol im Markt für Musik-TV.

DÜSSELDORF. Die Übernahmeschlacht zwischen den beiden US-Medienkonzernen AOL Time Warner und Viacom um den Musiksender Viva Media steht offenbar kurz vor der Entscheidung. AOL hält schon jetzt 15,3 % der Viva-Anteile. "Ich habe ein großes Interesse daran, dass die wilden Spekulationen um die Eigentümerverhältnisse in der nächsten Zeit beendet werden", sagte Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender der Viva Medien AG, dem Handelsblatt. "Wir sind nicht unglücklich, wenn bei uns ein großer amerikanischer Konzern die Mehrheit übernimmt."

Sowohl der französische Medienkonzern Vivendi Universal als auch der britische Musikkonzern EMI wollen ihre Anteile von jeweils 15,3 % an Viva verkaufen. Beide Unternehmen brauchen dringend frisches Geld. Viacom, Mutter des weltweit größten Musiksenders MTV, macht keinen Hehl daraus, dass man die Kölner Konkurrenz übernehmen möchte, denn die sinkenden Ertragsmöglichkeiten auf dem schwachen TV-Werbemarkt und der Wettlauf um junge Zuschauer verschärfen die Lage. Derzeit erreicht MTV nach eigenen Angaben weltweit mehr als 400 Mill. Haushalte in 164 Ländern.

Viacom hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, Viva-Anteile zu erwerben. Wie gestern in unternehmensnahen Kreisen bekannt wurde, soll Viacom 17 Euro plus 30 % pro Aktie bieten, das wäre das Doppelte des aktuellen Viva-Kurses. Auch ein öffentliches Übernahmeangebot an die Aktionäre sei im Gespräch. Rechtlich muss bei einer Übernahme von mehr als 30 % der Unternehmensanteile allen Aktionären ein Angebot unterbreitet werden. An der Börse ist Viva derzeit 268 Mill. Euro wert.

Sollte Viacom (US-Studio Paramount, US-Sender CBS, UCI-Kinos, Videokette Blockbuster) mehrheitlicher Eigner der Viva Media AG werden und damit nur noch ein Anbieter für Musikfernsehen auf dem deutschen Markt übrig bleiben, sind kartellrechtliche Konsequenzen noch zu klären. Aus Sicht des Rundfunkstaatsvertrags gibt es keine Begrenzungen für ausländische Investoren auf dem deutschen Markt. Da die Zuschaueranteile der Sender MTV und Viva in Deutschland jeweils unter 1 % liegen, gäbe es auch für die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich keinen Grund einzugreifen.

Viva-Gründer Gorny erklärte am Dienstag: "Ich glaube, dass wir nicht wegreden können, dass unsere traditionelle Gesellschafterstruktur in Bewegung ist und zu wanken beginnt." Der andere Kaufinteressent AOL Time Warner, weltgrößter Medienkonzern, ist als aktueller Gesellschafter für Gorny ein vertrauter Partner. Die Amerikaner betreiben zusammen mit dem Kölner Konzern den Sender Viva Plus.

Viva ist im ersten Quartal 2002 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Unter anderem nach dem Verkauf einer Unternehmens-Beteiligung an AOL Time Warner wurde in den ersten Monaten ein Gewinn von knapp 18,1 Mill. Euro geschrieben. Der Verkauf von 49 % an der Viva Plus Fernsehen GmbH hat einen Ergebnisbeitrag von 29,7 Mill. Euro erbracht. Ob das zweite Quartal beim anhaltend schwachen Werbemarkt so erfreulich ausfällt gilt als fraglich.

Dennoch plant Gorny in Europa weiter zu expandieren. Um besser internationale Werbekunden - wie etwa den Spielehersteller Nintendo - zu gewinnen, erwägt Gorny auch einen Teilumzug weg aus Köln. "An London als weiteres Standbein führt kein Weg vorbei", erklärt Gorny. Nach einem fehlgeschlagenen Senderkauf in Italien, verhandelt der Viva-Gründe derzeit noch in Großbritannien, Frankreich und Spanien über Zukäufe. "Unsere Expansionspläne hängen vom Preis ab", so Gorny. Für eventuelle Zukäufe ist die Kasse von Viva noch gut gefüllt, von etwa 50 Mill. Euro Reserve ist intern die Rede.

Der Aktienkurs von Viva entwickelte sich im ersten Halbjahr trotz der Krise des Werbemarktes nach oben. Gestern pendelte die Aktien um 11 Euro. "Wir gehen weiter von schwarzen Zahlen in 2002 aus", erklärt der Viva-Chef. Für das Gesamtjahr wird 125 Mill. Euro Umsatz bei einem Ebit von 37 Mill. Euro erwartet.

Quelle: Handelsblatt

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