Mubarak und Arafat greifen ein
Scharon liegt klar vor Barak

dpa JERUSALEM. Eine Woche vor der israelischen Ministerpräsidentenwahl am 6. Februar führt der Kandidat der Rechten, Ariel Scharon, mit fast uneinholbarem Vorsprung vor Ministerpräsident Ehud Barak. Nach einer am Dienstag von der Tageszeitung "Maariv" veröffentlichten Umfrage liegt der fast 73-Jährige mit 52 zu 32 % vor dem amtierenden Premier. Unter alteingesessenen Israelis wollen sogar 59 % für den umstrittenen Likud-Führer stimmen. Die Umfrage unter 1300 erwachsenen Israelis hatte nach Angaben von "Maariv" eine Fehlerquote von 2,7 %.

Angesichts der für Barak hoffnungslos erscheinenden Ausgangslage griffen der ägyptische Präsident Husni Mubarak und Palästinenserpräsident Jassir Arafat indirekt in den Wahlkampf ein. Ohne offen Partei für Barak zu ergreifen, machte Mubarak am Montagabend zur besten Sendezeit im Zweiten Israelischen Fernsehen die Bedeutung des Friedensprozesses für die Region deutlich. Er warnte die Israelis gleichzeitig, zu viel vom Krieg mit Ägypten zu sprechen. "Wer spricht hier von Krieg?" meinte er, "wir doch nicht! Wir sind an Stabilität interessiert, nicht an Krieg." Mubarak bekräftigte gleichzeitig, er sei nicht an intensiven Kontakten mit Baraks Kontrahenten Ariel Scharon interessiert. Wenn Scharon ihn um ein Treffen bitten werde, "werde ich ihn um der Stabilität in der Region willen willkommen heißen", jedoch "nicht nur um eines Treffens willen." Scharon meinte dazu am Dienstag, er werde Mubarak nicht anrufen.

Frieden in der Region "in Reichweite"

Das Interview mit Arafat kam nur einen Tag nach seinen masiven Angriffen auf Barak und die israelische Regierung. Arafat hatte dabei betont, er akzeptiere völlig den israelischen Anspruch auf die Klagemauer in der Altstadt Jerusalems. "Ich respektiere das, ich respektiere das hundertprozentig" erklärte Arafat, der einen Teil seiner Kindheit in der Jerusalemer Altstadt verbracht hatte. Gleichzeitig verurteilte der Palästinenserführer die Ermordung israelischer Zivilisten in den Palästinensergebieten. Sowohl Mubarak, als auch Arafat meinten, Frieden in der Region sei "in Reichweite".

Angesichts der weiterhin verheerenden Meinungsumfragen für Barak haben in seiner Arbeitspartei die Rufe nach seiner Ablösung als Kandidat nicht aufgehört. Nach israelischem Wahlrecht haben die Parteien bis kommenden Freitag Zeit, ihre Kandidaten auszutauschen. Barak hat jedoch deutlich gemacht, dass er nicht zu Gunsten des früheren Ministerpräsidenten Schimon Peres verzichten will. Peres lag bei der Umfrage vom Dienstag mit 46 % der Wählerstimmen gleichauf mit Scharon.

Die katastrophalen Umfrage-Ergebnisse für Barak konnten auch nicht durch die Nachricht von der Beendigung des Streiks im öffentlichen Dienst wettgemacht werden, der das Ansehen des Ministerpräsidenten zusätzlich belastet hatte. Vertreter der Einheitsgewerkschaft Histadrut und des Finanzministeriums verständigten sich am Dienstag nach tagelangen Verhandlungen auf 3,6 prozentige Einkommenssteigerungen und eine einmalige Auszahlung von 1 200 Schekel (umgerechnet etwa 600 DM) an Angestellte im öffentlichen Dienst. Durch den Arbeitskampf war Israel seit vergangenem Sonntag weitgehend von der Außenwelt abgeschlossen. Die Flug- und Seehäfen wurden blockiert, die Müllabfuhr streikte und die öffentlichen Ämter und Kindergärten blieben geschlossen.

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