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Müde nach dem Feiertag

Die US-Anleger hatten über den "Independence Day" scheinbar genügend Zeit, über die Entwicklung der US-Wirtschaft nachzudenken. Die Hoffnung auf eine Erholung der US-Konjunktur im zweiten Quartal lässt nach. Die ersten Zweifel werden bereits wieder laut. Gewinnwarnungen aus Europa belasten am Morgen die Stimmung. Sowohl der S&P 500 Future als auch der Nasdaq Future deuten auf einen leichteren Handelstag. Vor allem Technologiewerte verlieren vorbörslich an Wert.

Die jüngsten Wirtschaftsdaten bekräftigen die Anleger in ihren Befürchtungen. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung stiegen in der vergangenen Woche stärker als erwartet auf 399 000 Anträge. Experten hatten lediglich mit einem Anstieg von auf 395 000 Anträge gerechnet.

Besonders die Titel des Telekommunikationssektors geraten vorbörslich unter Druck. Gewinnwarnungen aus Übersee belasten den US-Markt. Der größte britische Hersteller von Telekommunikationskomponenten, Marconi, warnte vor schlechten Geschäftszahlen. Das Telekommunikationsunternehmen wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich nur die Hälfte des noch im Vorjahr erzielten Gewinns erwirtschaften. Das Unternehmen macht die schwache Nachfrage für das schlechte Ergebnis verantwortlich. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz um 15 Prozent sinken. Die Nachricht belastet am Morgen auch die Papiere anderer Zulieferer der Kommunikationsindustrie. Cisco und Nortel gehören zu den meistgehandelten Aktien. Auch Oracle verliert an Wert.

Die gemischten Nachrichten von Worldcom wirken bei der heutigen Nachrichtenlage nahezu erfrischend. Die Aktie gehört vorbörslich zu den am meisten gehandelten Aktien und notiert über vier Prozent im Plus. Der zweitgrößte Telekommunikationsanbieter hat die Umsatzerwartungen für das Geschäftsjahr 2001 angehoben. Das Wachstum wird statt der ursprünglichen 11 bis 14 Prozent nun 12 bis 15 Prozent betragen. Gleichzeitig revidierte Firmenchef Bernard Ebbers die Gewinnprognose. Das Unternehmen wird voraussichtlich einen Überschuss zwischen 1,05 und 1,10 Dollar statt 1,21 bis 1,31 Dollar ausweisen. Unterdessen bestätigte Worldcom die Umsatz- und Gewinnziele für das abgelaufene zweite Quartal. Konkurrent AT&T notiert im Minus.

Schwächer präsentiert sich die Aktien von Lucent Technologies, dem größten Hersteller von Telekommunikationszubehör. Der Grund: Alcatel, Europas viertgrößter Hersteller von Telekommunikationszubehör hat das Übernahmeangebot für Lucents Glasfaser- und Kabel-Sparte von vier Millionen auf drei Millionen Dollar reduziert. Das berichtet die französische Tageszeitung La Tribune. Lucent verliert im außerbörslichen Handel über vier Prozent an Wert.

Ebenfalls schwächer notieren die Aktien der Chipindustrie. Intel und Advanced Mirco Devices büßen vorbörslich an Wert ein. Auch vor dem Computersektor macht die schlechte Laune nicht halt. Apple Computer zieht am Morgen aus enttäuschenden Absatzzahlen Konsequenzen. Der Computerhersteller stellt die Produktion des Power Mac G4 Cube ein. Für Apple war der Cube, der toastergroße Rechner, ein teuerer Fehlversuch. Seit einem Jahr auf dem Markt, musste der Computerhersteller den Verkaufspreis um rund 1000 Dollar reduzieren, um das Produkt weiterhin für die Kunden attraktiv zu machen.

Die erwartete Umstrukturierung beim fusionsgeschüttelten Mischkonzern Honeywell ließ nicht lange auf sich warten. Das Unternehmen ersetzt den Vorstandsvorsitzenden Michael Bosignore durch den früheren Vorstandsvorsitzenden Lawrence Bossidy. Zusätzlich reduziert das Unternehmen die Gewinnerwartungen für das zweite Quartal von 60 Cents pro Aktie auf 55 Cents pro Aktie. Die Analysten von UBS Warburg schließen sich an. Sie stufen die Aktie von "aggressiv kaufen" auf "kaufen" ab. Das Kursziel reduzieren sie von 49 auf 45 Dollar.

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