Müder Kick, dramatisches Ende
Türkisches Wunder geht gegen Kroatien weiter

Das türkische Wunder geht weiter: Mit einem neuerlichen „finale furioso“ dieses Mal gegen das wie die sicheren Sieger aussehende Kroatien hat das Team von Trainer Fatih Terim erstmals in seiner Geschichte den Einzug ins Halbfinale einer Europameisterschaft geschafft, wo die „Comeback-Könige“ nun auf Deutschland treffen. Zum Helden wurde ausgerechnet ein Türke, der zwei Minuten vor Spielschluss noch der große Trottel war.

HB WIEN. Nach einer dramatischen Verlängerung mit späten Toren durch den in der 97. Minute eingewechselten Bremer Ivan Klasnic (119.) und Semih (120.+2) zum 1:1 gewann die Mannschaft von Fatih Terim am Freitag in Wien mit 3:1 im Elfmeterschießen gegen Kroatien. Deren Jungstar Luca Modric und der Schalker Ivan Rakitic zielten im Elfmeterschießen vorbei, den Schuss des Dortmunder Mladen Petric hielt der türkische Torhüter Rüstü. Der 35-jährige Routinier, der den rot-gesperrten Stammtorwart Volkan vertrat, avancierte damit doch noch zum Matchwinner für die Türken, nachdem er bei späten Rückstand noch übermotiviert aus seinem Tor gelaufen war und damit dem Führungstreffer der Kroaten den Weg bereitet hatte.

„Es war wieder unbeschreiblich. Was wir in den letzten drei Spielen geleistet und was für eine Moral wir gezeigt haben, ist unglaublich“, sagte Hamit Altintop von Bayern München, der im Elfmeterschießen den entscheidenden Treffer erzielte. Auch „Imperator“ Fatih Terim war begeistert: „Wir sind eine starke Mannschaft, wir haben sehr gut gespielt“, sagte er und fügte an: „Wir haben gekämpft, die Spieler übertreffen sich selbst. Das ist wirklich einmalig in der Geschichte. Wir gehören zu den besten Fußballnationen in Europa. Unser Volk kann sich freuen.“

Die Türkei feierte mit dem erstmaligen Einzug in die Vorschlussrunde den größten Erfolg seit dem dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft 2002. Dort werden mit Tuncay, Arda und Emre Asik allerdings gleich drei Spieler fehlen, die jeweils ihre zweite Gelbe Karte sahen. Nach ihren Last-Minute-Siegen in der Vorrunde gegen Gastgeber Schweiz (2:1) und Tschechien (3:2) wurde der Kampfgeist die Türken vor 51 428 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion erneut belohnt. Die Kroaten, WM-Dritter von 1998, scheiterten bei ihrer dritten EM-Teilnahme zum zweiten Mal nach 1996 im Viertelfinale.

Türkei flößt Bundestrainer Löw viel Respekt ein

Bundestrainer Löw hat zwar nach dem 3:2 im Viertelfinale gegen Portugal das Endspiel als Ziel ausgegeben, der Gegner auf dem Weg dorthin flößt ihm aber Respekt ein: „Die Türken haben im bisherigen Turnierverlauf gezeigt, dass mit ihnen immer zu rechnen ist, egal wie der Spielstand ist. Sie sind sehr, sehr unberechenbar und dadurch auch gefährlich. Sie haben sehr gute Einzelspieler, die technisch auf einem hohen Niveau spielen. Ich kenne natürlich auch die Mentalität der Türken. Wenn es bei ihnen läuft, sind sie zu Außergewöhnlichem fähig.“

Löw spricht aus Erfahrung: In der Saison 1998/99 war er Trainer beim türkischen Spitzenklub Fenerbahce Istanbul, 2001 noch einmal bei Adanaspor. Und auch der Respekt kommt angesichts der erfolgreichen Aufholjagden nicht von ungefähr.

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