Mühlheimer Einzelhandelskette positioniert sich zwischen Aldi und Vollsortimenter
Tengelmanns Plus-Märkte versuchen den Spagat

Die Einzelhandelskette Plus stößt in die Lücke zwischen Supermärkten mit reichhaltigem Angebot und Hard-Discountern mit reiner Billig-Strategie. Mit originellen Offerten und günstigen Bio-Produkten wollen sich die Mühlheimer von der Konkurrenz abheben. Die Rechnung scheint aufzugehen.

DÜSSELDORF. Die Lebensmittel-Discounter kriegen den Mund nicht voll: Nachdem Euro-Einführung und Sparwillen der Verbraucher ihnen riesige Umsatzzuwächse in den vergangenen Monaten bescherten, kämpfen sie jetzt in einer neuen Größenordnung um die Gunst der Kunden. Seit Montag hat die Discount-Kette Plus Fertighäuser im Angebot. Wohnwagen aus dem Lebensmittelladen sollen in zwei Wochen folgen. "Damit möchten wir uns von anderen Discountern weiter abheben", sagte Michael Hürter, Vorsitzender der Plus-Geschäftsführung, dem Handelsblatt.

Die Mühlheimer Plus Warenhandelsgesellschaft schlägt in Sachen Warenangebot den Weg der Mitte ein: weniger Markenprodukte als die Supermärkte, aber immer noch mehr als die übrigen Discounter wie Aldi, Lidl oder Penny. Von den 1 900 Artikeln in den Plus-Regalen sind nur etwa 800 als sogenannte Handelsmarken ausgewiesen. Bei anderen Discountern machen diese No-Name-Produkte den Großteil der Angebote aus. "Wer zu uns kommt, soll sich zu 100 % versorgen können", beschreibt Plus-Chef Hürter das Konzept des Unternehmens. Wegfallen soll nach dem Willen des Plus-Chefs die bisherige Shopping-Route vieler Verbraucher: zuerst die Grundnahrungsmittel im Discounter holen, dann die Schmankerl mit Markennamen im Supermarkt.

Plus versucht den Spagat: Markenware und billige Preise. Das soll funktionieren, indem der Discounter ein kleineres Sortiment an Markenartikeln als die Supermärkte anbietet und seine Kosten auf diese Weise gering hält. Damit nimmt die Lebensmittelkette die Position eines so genannten Soft-Discounters ein. Eine eigene Linie mit Bio-Produkten und das Bezahlen per EC-Karte erinnern außerdem an den Service eines Supermarktes, Anzahl und Präsentation der Ware passen aber weiterhin zum Discounter. Seit drei Jahren versucht Plus-Chef Hürter, mit seinen 2 630 Filialen die Lücke zwischen Supermärkten und Hard-Discountern zu besetzen. "Auf einen dritten Aldi oder Lidl wartet in Deutschland schließlich niemand", hat der Plus-Chef erkannt.

Die Discounter-Preise schätzen die Konsumenten hingegen immer mehr. Egal ob Plus, Penny oder Aldi - ein gutes Geschäft machen sie zurzeit alle. Trotz Konjunkturflaute und Käuferstreik wachsen die Discounter. Das zeigt die Verbraucher-Analyse (VA) 2002. Danach kaufen bei Aldi mittlerweile mehr als 76 % aller Verbraucher ein. Das sind knapp 9 Prozentpunkte mehr als noch vor fünf Jahren. Zu Lidl gehen 43 % aller Konsumenten und zu Plus immerhin noch 23 %.

Für Plus-Chef Hürter ist das noch nicht genug. Er möchte weiteres Wachstum. "Im laufenden Geschäftsjahr wollen wir beim Umsatz die Marke von 6 Mrd. Euro ankratzen", sagt Hürter. Das zur Tengelmann-Gruppe gehörende Unternehmen macht einen Jahresumsatz von 5,6 Mrd. Euro und liegt hinter Aldi und Lidl damit auf Platz drei der Discounter in Deutschland. Auch die Zahl der Plus-Mitarbeiter soll in den nächsten zweieinhalb Jahren steigen. Rund 2 000 neue Stellen möchte Hürter schaffen.

Der Siegeszug der Discounter geht zu Lasten der Supermärkte mit ihrem reichhaltigen Angebot an Markenware. Beispiel Spar: Hier kaufen laut VA nur noch rund 14 % aller Kunden ein. Vor fünf Jahren waren es noch mehr als 18 %. Die Teuro-Diskussion hat die Verbraucher endgültig in die Discount-Märkte getrieben.

Ein Vorteil auch für Plus: Das Unternehmen wächst nach eigenen Angaben beim Umsatz jährlich um etwa 7 % und schreibt seit dem abgelaufenen Geschäftsjahr 2001/02 schwarze Zahlen. "Wir rechnen mit größeren Gewinnsprüngen im kommenden Jahr", sagt Hürter. Die Differenzierung von der Konkurrenz scheint zu gelingen. Auch die Verbraucher-Analyse gibt den Mühlheimern recht. Denn nach Ergebnissen der VA schätzen die Discount-Käufer Markenartikel. So achten fast 45 % der Aldi-Kunden mehr auf die Marke als auf den Preis. Mehr als die Hälfte von ihnen ist sogar der Meinung, Markenartikel seien qualitativ besser als No-Name-Produkte.

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