Müller ist an Sparkassen interessiert
Commerzbank-Chef erteilt Allfinanz-Konzept eine Absage

Commerzbank-Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller hält nichts von Allfinanz-Konzernen. "Ich bezweifle, dass es der Königsweg ist, wenn Banken Versicherungen kaufen oder umgekehrt. Die Geschäfte und Mentalitäten sind zu unterschiedlich", sagte er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er glaube nicht, dass zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten die Investitionen für eine Übernahme rechtfertigten. Im Gegensatz etwa zum Versicherungskonzern Allianz, der kürzlich die Dresdner Bank übernommen hat, setzt die Commerzbank auf ein Geflecht internationaler Partnerschaften.

HB FRANKFURT/M. Solche Kooperationen wie zwischen der Commerzbank und dem italienischen Versicherungskonzern Generali seien für beide Partner von Vorteil, meint Müller. In Finanzkreisen wurde allerdings zuletzt spekuliert, Generali habe ihren Anteil an der Commerzbank von bislang 9,9 % über Treuhänder auf 19 % aufgestockt. Müller sieht darin allerdings keinen Sinn: "Eine Aufstockung der Beteiligung würde Generali keinen zusätzlichen Gewinn bringen. Selbst wenn jemand die Commerzbank kaufen sollte, wären die Generali-Verträge davon nicht betroffen."

Generali hat mit der Bank im vergangenen Jahr einen zehnjährigen Exklusivvertrag über die Vermittlung von Versicherungen abgeschlossen. Aus dieser Vertriebskooperation will die Commerzbank bis zum Jahr 2005 zusätzliche Erträge in Höhe von 140 Mill. erzielen.

Die Alternative zu einem Allfinanzkonzern sieht Müller in einem europäischen Zusammenschluss von Banken, wie ihn die Commerzbank bereits 1998 geprüft habe. Grenzüberschreitende Bankfusionen seien aber derzeit wegen der aufsichtsrechtlichen und steuerlichen Hindernisse unmöglich: "Wir können in Europa einfach nicht das tun, was wir für richtig halten."

Interesse äußerte Müller auch am öffentlich-rechtlichen Kreditsektor, dem nach dem Wegfall der staatlichen Garantien ein Umwälzungsprozess bevorsteht: "Ich würde gern eine Sparkasse kaufen." Allerdings sei dies für ihn derzeit kaum mehr als ein Hoffnungswert.

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