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Müller kritisiert deutsche Börsenvielfalt

Mit ungewohnt klaren Worten drängt der Vorstandschef der Commerzbank, Klaus-Peter Müller, auf eine Konsolidierung der deutschen Börsenlandschaft.

pot FRANKFURT. "In Deutschland gibt es immer noch zu viele Börsen", sagte Müller auf dem Börsenforum des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Der "Nachahmungswettbewerb" der Regionalbörsen, von denen sich die meisten als Börse für Privatanleger und Mittelstand positionierten, führe zur Fragmentierung des Aktienhandels; Kosten fielen mehrfach an. Außerdem werde die Liquidität an den einzelnen Börsen verringert. Müller plädiert für ein einheitliches Handelssystem.

Auf dem Weg zu einer Konsolidierung sollten die Marktteilnehmer aber nicht auf die Einsicht der Bundesländer warten, die in Deutschland die Börsenaufsicht ausüben. Beispiele wie die Rundfunkanstalten und die Landeszentralbanken dokumentierten, dass es den Ländern an der Bereitschaft zu notwendigen Konsolidierungen fehle.

Derzeit gibt es in Deutschland acht Wertpapierbörsen. Allerdings verlieren die Parkettbörsen beständig Marktanteile an das elektronische Handelssystem Xetra. Noch größer ist die Vielfalt auf europäischer Ebene. Hier konkurrieren über 30 Börsen, 12 Handelssysteme und über 20 Abwicklungssysteme. Das Haupthindernis für einen europäischen Aktienmarkt sieht Müller in den unterschiedlichen Regelungen im Gesellschafts- und Kapitalmarktrecht der Länder. Dies sei ein großer Nachtteil gegenüber den USA. Besonders zeige sich dies bei Kosten der Abwicklung grenzüberschreitender Aktiengeschäfte, die in Europa zehnmal so hoch seien wie in den USA. Doch behinderten "nationale Egoismen" eine Konsolidierung. Zurückhaltend äußerte sich Müller zu Plänen der Deutschen Börse AG, den Wertpapierabwickler Clearstream vollständig zu übernehmen. Eine Integration von Clearstream in die Deutsche Börse könne nur eine Zwischenlösung darstellen, betonte Müller. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. Viele internationale Investmentbanken fürchten, eine Übernahme von Clearstream durch die Börse könnte Zusammenschlüsse der europäischen Abwicklungsgesellschaften untereinander behindern.

An die Adresse der Bundesregierung richtete Müller den Vorwurf, sich nicht ausreichend um die Weichenstellungen in Kapitalmarktfragen zu kümmern, die auf EU-Ebene erfolgen. Im Finanzministerium befasse sich nur eine Handvoll Mitarbeiter mit der Entwicklung des deutschen Kapitalmarktrechts. Demgegenüber habe die britische Aufsichtsbehörde FSA allein 70 Mitarbeiter. "Dieses Beispiel sagt alles über den Einfluss Deutschlands in Brüssel", so Müller. Auch mit dem 4. Finanzmarktförderungsgesetz, das den deutschen Finanzplatz reformieren soll, würden in großen Teilen nur ältere EU-Richtlinien in deutsches Recht überführt. "Mit anderen Worten: Wir laufen - wie schon so oft - hinterher."

Nach Ansicht von DAI-Geschäftsführer Rüdiger von Rosen greifen zudem einige der geplanten Gesetzesänderungen zu kurz. Zwar werde das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) gestärkt. Aber von den Kompetenzen des amerikanischen Pendants SEC könne es nur träumen.

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