Müller kündigt Offensive an
Mit mehr Exporten zu weniger Arbeitslosigkeit

Bundeswirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) hält bei einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 2,5 Prozent bis 2006 den Abbau der Arbeitslosigkeit auf weniger als 3 Millionen für möglich.

ddp BERLIN. Für die dazu notwendige Konjunkturbelebung kündigte Müller bei der Vorstellung seines Wirtschaftsberichts am Dienstag in Berlin eine «Außenwirtschaftsoffensive» an. Die Opposition kritisierte Minister und Bericht scharf. CDU-Chefin Angela Merkel wertete den Bericht als «kraftlose Abschiedsbilanz» der Bundesregierung.

Müller betonte, ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent könne nicht allein durch privaten Konsum erreicht werden, weil die Bevölkerung schrumpfe und altere. Deshalb müssten «die Exporte noch stärker als bisher die Rolle des Wachstumsmotors übernehmen». Müller sagte, durch seine «Außenwirtschaftsoffensive» sollten insbesondere die Möglichkeiten für den Mittelstand verbessert werden, Exportmärkte zu erschließen. Die Aufmerksamkeit müsse sich vor allem auf den Nahen und Mittleren Osten sowie Nordafrika richten. Ein weiterer Schwerpunkt werde die Unterstützung deutscher Unternehmen beim Export neuer Technologien sein, kündigte Müller an.

Dem Bericht zufolge bestehen «gute Chancen» für ein durchschnittliches Wirtschaftswachstum von 2,5 Prozent. Bei diesem Wert könnten bis 2006 fast zwei Millionen neue Jobs entstehen und die Arbeitslosenzahl ohne externe Belastungen deutlich unter die Drei-Millionen-Grenze fallen, hieß es. Das war zuletzt 1992 der Fall. Die deutsche Wirtschaft habe «die Talsohle durchschritten». Ein Wirtschaftswachstum von annähernd drei Prozent sei nach Ansicht aller Konjunkturexperten erreichbar, hieß es in dem Bericht weiter. Nach Auffassung des Vizechefs der SPD-Fraktion, Norbert Wieczorek, gibt der Bericht gute Perspektiven für Konjunktur und Arbeitsmarkt.

Merkel: Müller ist "ein Traumtänzer"

CDU-Chefin Angela Merkel sagte, Müller sei «ein Traumtänzer», der sich «in das Versprechen» flüchte, neue Jobs zu schaffen, statt konkrete Maßnahmen zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und zur Beseitigung von Hürden auf dem Arbeitsmarkt vorzulegen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, betonte, der Wirtschaftsbericht setze auf dem Feld der Außenwirtschaftspolitik insgesamt die richtigen Akzente. Zugleich warnte er aber vor «Zahlenspielereien zum erhofften Abbau der Arbeitslosigkeit».

FDP-Wirtschaftsexperte Rainer Brüderle bemängelte die angekündigte Exportoffensive Müllers. «Die weiter kriselnde Binnenkonjunktur ist ihm offensichtlich nicht so wichtig», vermutete Brüderle. PDS-Fraktionsvize Christa Luft sagte, Binnennachfrage seien nicht nur privater Konsum, sondern auch öffentliche Investitionen. Diese müssten vorangetrieben werden. Mit «purer Export-Gläubigkeit» werde hingegen «nur Treibsand aufgehäuft».

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%