Müller plant einen Regional-Carrier unter fremder Flagge
In fünf Jahren nur noch drei große Airlines in Europa

Der Ex-Chef der pleite gegangenen belgischen Fluglinie Sabena, Christoph Müller, will deren Nachfolgegesellschaft als regionalen Zubringer für die großen europäischen Airlines etablieren.

tom BRÜSSEL. Gegenüber dem Handelsblatt zeigte sich Müller, der heute als Aufsichtsratschef der Sabena-Tochter Delta Air Transport (DAT) mit dem Aufbau einer "Sabena light" betraut ist, überzeugt, dass es in fünf Jahre nur noch Lufthansa, British Airways und Air France in Europa geben werde. Als Nische bleibe kleinen Gesellschaften wie SAS, Austrian Airlines oder der geplanten neuen belgischen Linie um DAT nur der Shuttle-Service für die Großen: "Die Langstrecken sind bis auf wenige Ausnahmen einfach zu teuer", sagt Müller.

Als Vorbild für die Sabena-Nachfolgerin sieht der DAT-Aufsichtsratschef die US-Gesellschaft American Eagle. Die Fluglinie übernimmt den regionalen Verkehr der Fluggesellschaft American Airlines in den USA unter deren Flagge. Zu den Aussichten des neuen Unternehmens DAT, das bald mit rund 200 Mill. Euro von belgischen Investoren an den Start gehen soll, gibt sich Müller betont optimistisch: "Wir haben mit den DAT-Gewerkschaften einen Tarifvertrag ausgehandelt, der die Personalkosten gegenüber der alten Sabena um rund ein Drittel senkt". Etwa 1 000 Ex-Sabena-Mitarbeiter hätten ihre Arbeit wieder aufgenommen, um die Operation der Regionaltochter DAT auf ehemaligen Sabena-Routen zu garantieren. Bisher wurden etwa 6 500 Angestellten von 13 000 die Entlassungspapiere geschickt.

Der Tritt auf die Kostenbremse sei wichtig, sagt der Luftfahrtexperte Manfred Momberger. "Für den Aufstieg der DAT in die Europaliga muss die Gesellschaft aber einen vollständigen Bruch mit der Sabena-Mentalität vollziehen", meint Momberger. So gehe es nicht an, dass in der neuen Gesellschaft Jobs doppelt besetzt würden, um ein politisch korrektes Verhältnis von Flamen und Wallonen zu erhalten. "Europas Airline-Industrie muss sich ähnlich der in den USA entwickeln, um konkurrenzfähig zu sein", sagt Momberger. Eine Fluggesellschaft dürfe sich daher lediglich als als ein besseres Busunternehmen verstehen, nicht als "nationales Symbol".

Nach Müllers Businessplan soll die neue belgische Airline zwischen 32 und 51 Flugzeuge haben und 600 bis 900 Mill. Euro Umsatz machen. Neben den Kurzstrecken würden nur wenige Langstreckenrouten nach Afrika angeboten. Vorstellbar sei auch die weitere Zusammenarbeit mit dem belgischen Billigflieger Virgin Express. "Das muss aber für beide Seiten profitabel sein", betont DAT-Chef Müller. In den alten Vereinbarungen mit Sabena habe diese für die Nutzung von Sitzen draufgezahlt.

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