München als WM-Lokomotive
Interessante Neuerungen bei der Fußball-WM

Mit interessanten Neuerungen will Deutschland schon bei der Eröffnung der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 neue Maßstäbe setzen, doch die von Franz Beckenbauer befürchtete Erhöhung der Teilnehmerzahl auf 36 Mannschaften und der Ticket-Streit mit dem Weltverband FIFA trüben die Vorfreude der deutschen Organisatoren.

HB/dpa MÜNCHEN. Nach einem gemeinsamen Auftritt mit FIFA-Generalsekretär Urs Linsi am Mittwochabend beim "WM-Countdown" in München erneuerte Beckenbauer seine Warnung an den Dachverband, das Organisationskomitee (OK) in allen Entscheidungen als gleichberechtigten Partner einzubinden.

"Wir haben ein gutes Verhältnis zu den FIFA-Leuten. Aber hin und wieder muss man deutlich machen, dass wir Partner sind und nicht nur Handlanger", erklärte der OK-Chef. Schon in der kommenden Woche soll in Frankfurt am Main bei einem Gipfeltreffen des OK mit Linsi in den umstrittenen Bereichen Ticketing und Hotellerie nach gemeinsamen Lösungen gesucht werden. "Der Konflikt wird aufgebauscht", sagte Linsi in München und warb für gegenseitige Kompromissbereitschaft: "Es gibt schwierige Fragen, aber es muss eine gemeinsame Lösung geben. Bis Ende Juli haben wir uns einen Zeitplan gesetzt - und bis jetzt haben wir die Zeitpläne immer eingehalten."

Linsis Einschätzung, dass die für den 28. Juni anberaumte Abstimmung der FIFA-Exekutive über eine mögliche Erhöhung der WM- Teilnehmerzahl von 32 auf 36 Mannschaften eine "sportpolitische Entscheidung sein wird", wertete Beckenbauer als eindeutiges Indiz: "Also 36", entgegnete er Linsi spontan. Für die vom südamerikanischen Verband angestrebte Erhöhung hat sich auch UEFA-Präsident Lennart Johansson erneut ausgesprochen. "Wenn es eine sportlich vernünftige und rationale Entscheidung geben soll, dann bleibt man bei 32 Mannschaften", kommentierte "Formel 36"-Gegner Beckenbauer.

Eine Erhöhung auf 36 Teams und dann 70 statt 64 Spiele hätte auch Auswirkungen auf den am Mittwoch offiziell von Beckenbauer an Linsi übergebenen Terminierungs-Vorschlag für die WM-Endrunde. Diese soll am 9. Juni 2006 mit dem Eröffnungsspiel in München beginnen und einen Monat später in Berlin mit dem Endspiel enden. Das OK plant zudem für den Vorabend des Eröffnungsspiels erstmals mit einer separaten Eröffnungsfeier im Münchner Olympiastadion. "Das ist ein Traum, eine Vision", sagte OK-Vizepräsident Fedor Radmann: "Ich denke, es wäre ein würdiger und angemessener Start." Gute Chancen hat anscheinend auch der Vorschlag des OK, dass statt des Weltmeisters, der nicht mehr automatisch qualifiziert ist, die deutsche Mannschaft das Eröffnungsspiel bestreitet. "Das wäre sicher etwas", so Linsi.

München hat Schlüsselrolle

München kommt damit eine Schlüsselrolle bei der WM zu. "Wenn der Auftakt gelingt, hat man eine gute Vorlage", meinte Beckenbauer. Die bayerische Landeshauptstadt wird neben insgesamt sechs Spielen auch das internationale Medienzentrum beherbergen und vor Turnierbeginn Schauplatz des FIFA-Kongresses sein. "Die WM, das Eröffnungsspiel und das Medienzentrum in einer Stadt zu haben, ist wesentlich mehr wert als ein Sechser im Lotto", meinte Bayern Münchens Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Im Konflikt zwischen FIFA und OK um die Preisgestaltung und Verteilung der rund 3,2 Millionen Eintrittskarten, von denen 15 Prozent für VIP-Gäste bereitgestellt werden müssen, beteuerte Linsi, dass alle Interessengruppen bedacht werden sollen. "Es wird für den Fan etwas geben und für das Top-Niveau. Die ganze Bandbreite wird angeboten. In welchem Ausmaß, das werden wir gemeinsam ausarbeiten", sagte der Schweizer der dpa. Das deutsche OK will entscheidend mitreden, um Maßlosigkeit bei Preisen zu verhindern und Fehler früherer Veranstalter, als in ausverkauften Stadien tausende Plätze unbesetzt blieben, nicht zu wiederholen. "Es kann nicht sein, dass man eine Entscheidung über unsere Köpfe hinweg trifft. Wir werden letzten Endes als verantwortlich angesehen", betonte Beckenbauer.

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